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Es wird romantisch im Kulturraum zur alten Post

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20.04.2026

Den Abstecher in seinen Kulturraum kann sich Alberto Niederer nicht verkneifen. Eigentlich ist man zu einem Arbeitstreffen von Wolf Rieger und Francesco Fiordeponti verabredet. Der Pianist aus Buch und der Züricher Schauspieler bereiten an diesem Nachmittag ihr Programm vor. Doch Niederer, selbst Künstler, schaut noch schnell in seinem Atelier vorbei. Hier sollen zwischen seinen Skulpturen und grafischen Wand-Tableaus am 1. Mai – einen Steinwurf von Gottmadingen entfernt – die Besucher sitzen und Liebesgedichten von Erich Fried lauschen. Seit Alberto Niederer zusammen mit seiner Ehefrau die alte Post mit ihrer Kunst gefüllt haben, öffnen sie den Kunstraum immer wieder für kulturelle Veranstaltungen. Für Buch mit seinen rund 300 Einwohnern ist das eine neue Dimension. Die bereits angelaufene Serie steht diesmal im Zeichen der Literatur.

Aber wo sind sie nun, die beiden Hauptpersonen des Lyrikabends? Alberto Niederer bittet noch einmal in sein Auto. Ein paar Straßen weiter wohnt Wolf Rieger. Der Chemiker lebt schon seit 1973 mit seiner Familie in dem kleinen Ort an der deutsch-schweizerischen Grenze. In den USA hatte er seine heutige Frau kennengelernt. Zur Familiengründung zog es das Paar aber an den nördlichen Rand der Schweiz. Er habe schon immer gern am Klavier improvisiert und seine Zuhörer unterhalten, erzählt Wolf Rieger. Als Kind habe er Klavierspielen gelernt. Mit Noten habe er aber eher gefremdelt. 

Mit Liebesgedichten von Erich Fried

Zuletzt konnte man Wolf Rieger in einem Wien-Abend in Buch erleben. Seine Improvisationen haben den Schauspieler Francesco Fiordeponti so beeindruckt, dass dieser gern ein gemeinsames Projekt mit Rieger realisieren wollte. „Die Idee zu einem Abend mit Liebesgedichten von Erich Fried liegt mir schon länger am Herzen“, sagt Fiordeponti. Die beiden Herren wurden sich schnell einig.

Beide haben getrennt voneinander Texte und Musikstücke ausgewählt. Nun gilt es, alles zu einem Programm zusammenzufügen. Was bleibt, was fliegt raus? In welcher Reihenfolge sollen Text und Musik präsentiert werden? Überhaupt: Welche Musik passt zu welchem Gedicht? Dass jeder seinen Part beherrscht, daran besteht kein Zweifel. Um ein harmonisches Ganzes daraus entstehen zu lassen, trifft man sich im Musikzimmer von Wolf Rieger. Der sitzt schon an seinem Flügel und stimmt die ersten Töne an. Da schält sich die Melodie von „Somewhere over the Rainbow“ heraus. Und wie er so konzentriert darüber improvisiert, erfasst ein Hauch von Melancholie den Raum.

Dann setzt Fiordeponti ein. Er rezitiert das Gedicht „Dein Briefumschlag“. Der vermeintlich banale Gegenstand wird in einen Topf eingepflanzt, in der Hoffnung, dass daraus weitere Briefe erwachsen. So träumerisch wird er zum Symbol der Sehnsucht. Mit seiner warmen Stimme, mit seiner Präsenz trifft Francesco Fiordeponti direkt ins Herz.

Die Kennziffern von Buch

Die kleine Schweizer Gemeinde Buch gehört mit ihren rund 300 Einwohnern zum Kanton Schaffhausen. Sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Gottmadingen auf 416 Metern Höhe. Von hier aus bietet sich ein weiter Blick in den Hegau. Die Geschichte reicht ins 11. Jahrhundert zurück. Das Dorf ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt, verfügt über einige historische Gebäude wie die alte Mühle oder eine Sägerei sowie einige Handwerksbetriebe. In losen Abständen finden in der ehemaligen Post kulturelle Veranstaltungen statt. (gtr) 

Zehn Gedichte und Kurzgeschichten im Programm

Zehn Gedichte und Kurzgeschichten hat sich der Schauspieler ausgesucht. Damit korrespondieren zehn Musikstücke mit Improvisationen von Wolf Rieger. Mit der einen Kostprobe lassen es die beiden Akteure aber erst mal bewenden. Man werde sich vor dem 1. Mai sicher noch einmal zur Feinabstimmung treffen, versichern sie. Wichtig ist ihnen, dass es zwischen Musik und Text immer einen Bezug zur Liebe gebe. Francesco Fiordeponti hat nach eigenen Worten sein ganzes Leben lang immer Theater gespielt, unter anderem in einer kleinen Truppe um Erwin Kohlund. Zu seinem 80. Geburtstag am 1. Mai erfüllt er sich mit den Liebesgedichten von Erich Fried einen Herzenswunsch. Wie Fried hat auch er jüdische Wurzeln. Er habe sich mit der Biografie von Erich Fried beschäftigt und weitere Parallelen zu seiner eigenen Familiengeschichte gefunden. So auch seine persönliche Vergangenheit in Wien. Und auch Wolf Rieger hat einen engen Bezug zu Wien. Anmeldungen werden erbeten unter: niederer_netart@yahoo.de

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