Nicht die KI ist einsam, sondern der Mensch, der sie nutzt
Es ist ungefähr 35 Jahre her, dass ich als Noch-Schülerin an einem Freitagabend mit einem Buch in der Hand in einem Studenten-Club saß, und wartete, dass sich die Tanzfläche etwas füllte. Ich glaube, ich wartete auch auf Freunde, jedenfalls war das Highlight des Tages das gemeinsame Erlebnis unter vielen Menschen, mit denen man synchron den Körper bewegte, oder mit einigen wenigeren, mit denen man anstieß und sich das Angebot des anderen Geschlechts besprach. Das Buch, das ich damals – und nach der Art der Erinnerung zu urteilen, war es tatsächlich nur das eine Mal, dass ich ein Buch mithatte – in der Hand hielt, war „Robots of Dawn“ von Isaac Asimov. Ein zerfleddertes englisches Taschenbuch, mühsam mit Tesafilm zusammengehalten, so auf einem Flohmarkt erworben. Und ich habe das heute noch, jetzt neben mir liegend, weil ich mich an eine bemerkenswerte Passage darin erinnerte, die einen erschrecken könnte. Die Romane Asimovs, von dem die meisten die drei Robotergesetze kennen, sind mathematisch-logische Spielereien in lesenswerte Geschichten gepackt, da die Robotergesetze wie Axiome den roten Faden und oft auch den Clou der Geschichten ausmachten. Asimovs imaginierte Welt, von der noch gegenwartsnahen Roboterpsychologin Susan Calvin bis hin zu der Jahrtausende später einsetzenden Zeit der Foundation-Trilogie umfasste ein (möglichst) konsistent zusammenhängendes „Geschichtswerk“ einer parallelen Entwicklung der Menschheit – und der Roboter.
Das wusste ich aber mit diesem Buch damals in der Hand noch nicht, obwohl ich wenige Jahre zuvor „I, Robot“ (allerdings auf deutsch) gelesen hatte und ebenso wenige Jahre danach Foundation lesen sollte. Und „Robots of Dawn“ gab mir erst das Wissen, dass er diese zwei Enden seiner Fantasie-Welt so verband. Was im kleinen Positronengehirn eines einzelnen Prototypen in der Asimovschen nahen Zukunft geschah, war für das Jahrtausende später wiedererwachte menschliche Kolonialreich schon angelegt. „Robots of Dawn“, weder präzise Logikgeschichte noch opulente Sternensaga kommt ein bisschen wie Pulp daher, ein klassischer „Whodunnit“: Wer hat den robotischen Lebensgefährten einer außerirdischen Kolonistin auf Null gesetzt und wie? Der Columbo in dieser Geschichte, der agoraphobische Elijah Bailey, wird eingeführt, wie er außerhalb der temperierenden Kuppel einer irdischen Stadt übt, erstens seine psychologische Hürde der Angst vor dem Außerhalb zu überwinden und zweitens seinen Körper an die natürlichen Wechsel und Herausforderungen der Natur zu gewöhnen. Denn Natur ist für diese Städter der Erde mit der organisierten und ausgeglichenen Lebensweise unter der Kuppel der Feind des Körpers. Obwohl außen Sauerstoff und sonst alles ist, wie wir es heute als paradiesisch ansehen könnten. Natur eben.
Noch feindlichere Außenwelt
Jetzt muss dieser sich selbst an........
