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Verhandlungen zwischen USA und Iran schon beendet: Ein Scheitern mit Ansage

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12.04.2026

Sie haben geredet statt gebombt – immerhin. Ganze 21 Stunden verhandelten die USA und der Iran direkt miteinander. Dann war es schon wieder vorbei mit der Diplomatie, die eine dauerhafte Waffenruhe zwischen den beiden Erzfeinden herbeiführen sollte.

US-Vizepräsident JD Vance erklärte vor seinem Rückflug nach Washington, die iranische Seite habe sich entschieden, die Bedingungen der Vereinigten Staaten nicht zu akzeptieren.

Teheran wiederum sprach den USA zumindest indirekt den guten Willen und die Ernsthaftigkeit ab, zu einer Einigung zu gelangen.

Christian Böhme leitet das Ressort Internationale Politik. Er ist sicher: Maximale Forderungen und maximales Misstrauen können keine Grundlage für erfolgreiche Gespräche sein.

Genau diese beiden Einschätzungen machen das ganze Dilemma der Gespräche deutlich: Die 21 Stunden waren geprägt von maximalen Forderungen und maximalem Misstrauen.

Auf einer solchen Grundlage kann in solch kurzer Zeit kein Deal erzielt werden. Insofern war das Treffen im pakistanischen Islamabad zum Scheitern verurteilt, der ausbleibende Erfolg einer mit Ansage.

Für ernst gemeinte Gespräche über ein dauerhaftes Ende des Kriegs hätte es mehr Ausdauer und Kompromissbereitschaft gebraucht.

Für ernst gemeinte Gespräche über ein dauerhaftes Ende des Kriegs hätte es mehr Ausdauer und Kompromissbereitschaft gebraucht.

Für ernst gemeinte Gespräche über ein dauerhaftes Ende des Kriegs hätte es mehr Ausdauer und Kompromissbereitschaft gebraucht. Islamabad wäre nur der Auftakt gewesen, um sich zu verständigen. Doch danach sah es von Anfang an nicht aus.

Denn aus Überzeugung sind weder die USA noch der Iran in die Verhandlungen gegangen. Beide Seiten sahen sich vielmehr genötigt, zumindest pro forma aufeinanderzuzugehen.

Das Regime in Teheran mag zwar bisher den Tausenden Angriffen des US-Militärs und der israelischen Luftwaffe standhalten. Doch die Attacken haben Irans Führung dezimiert und geschwächt. Eine etwas längerfristige Atempause wäre damit sehr wohl im Interesse der Mullahs und der Revolutionsgarden. Nicht zuletzt, um die Raketenarsenale wieder aufzufüllen.

Trumps Anhänger sind unzufrieden

Donald Trump käme eine dauerhafte Waffenruhe wohl auch sehr gelegen. Weniger, weil die Staatengemeinschaft den völkerrechtswidrigen Feldzug ablehnt, das kümmert ihn herzlich wenig. Sondern weil der Unmut in seiner Anhängerschaft über einen Krieg in weiter Ferne immer lauter wird.

Denn ihr Präsident hat schließlich versprochen, sich nur noch um Amerika zu kümmern. Jetzt mutet dieser Krieg im Nahen Osten den US‑Bürgerinnen und Bürgern sogar höhere Spritpreise und eine steigende Inflation zu. Von den toten Soldaten und den Milliardenkosten fürs Militär ganz zu schweigen.

Für Trump ist die Straße von Hormus zum symbolhaften Debakel seines Kriegs gegen den Iran geworden: Von Anfang an hatte er keinen Plan, schätzte sowohl die Abwehrbereitschaft als auch das taktische und strategische Geschick Teherans grundfalsch ein.

Die Blockade von Hormus funktioniert aus Teherans Sicht fast noch besser als die mögliche Drohung mit einer Atombombe.

Die Blockade von Hormus funktioniert aus Teherans Sicht fast noch besser als die mögliche Drohung mit einer Atombombe.

Die Herrscher in Teheran haben dagegen rasch erkannt, dass sie die Blockade der Meerenge als ihre mächtigste Waffe nutzen können. Die Weltwirtschaft leidet, Lieferketten sind massiv gestört – dafür wird hauptsächlich Trump verantwortlich gemacht. Besser könnte es für das Regime nicht laufen. Hormus funktioniert aus ihrer Sicht fast noch besser als die mögliche Drohung mit einer Atombombe.

Eine Veranstaltung mit Alibicharakter?

Wer sich so gestärkt fühlt, wird kaum bereit sein, seine beste Trumpfkarte ohne Weiteres aus der Hand zu geben. So war es dann auch im Laufe des 21-stündigen Treffens in Islamabad. Hatte JD Vance ernsthaft anderes erwartet? Wenn ja, dann war es blauäugiges Wunschdenken.

Aber vielleicht hatte die ganze Veranstaltung in Islamabad ohnehin nur Alibicharakter, war womöglich das Scheitern von vornherein Teil des Kalküls. Vielleicht glaubt Washington ebenso wie Teheran gar nicht daran, dass eine Waffenruhe auf Dauer überhaupt möglich ist, geschweige denn Frieden.

Genau das ist Israels Sichtweise auf die Konfrontation mit dem Iran. Wie kann es eine ernsthafte Übereinkunft geben mit einem Regime, das dem jüdischen Staat immer wieder mit Vernichtung droht? Diese Einschätzung teilt Premier Benjamin Netanjahu mit vielen Israelinnen und Israelis.

Deshalb wäre es so wichtig gewesen, die Regierung in Jerusalem in die Gespräche von Islamabad einzubeziehen. Dies versäumt, es vermutlich nicht einmal in Betracht gezogen zu haben, ist ein Konstruktionsfehler der Verhandlungen.

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Und nun? Noch hat die am Mittwoch angekündigte zweiwöchige Feuerpause Bestand. Die USA haben dem Iran ein „endgültiges Angebot“ vorgelegt, sagte Vance vor seinem Abflug. Das klingt allerdings eher wie eine Drohung, weniger nach einer baldigen Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Trumps Interesse an einem Abkommen scheint ohnehin nicht sonderlich groß zu sein. „Wir gewinnen so oder so“, erklärte er vor Journalisten. Und: „Wir haben sie militärisch besiegt.“ Das dürfte der Iran nicht grundlos anders sehen. Bomben statt reden: Es könnte schon bald wieder Krieg im Nahen Osten herrschen.


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