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Fashion Week: Berlin inszeniert sich wieder als Labor für Mode und Protest

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03.02.2026

Der letzte Tag der Berlin Fashion Week H/W 26/27 bestand zu einem großen Teil aus den Modenschauen der von der Agentur Reference Studios um Gründer Mumi Haiati inszenierten „Intervention“ im Kraftwerk in der Köpenicker Straße, unter anderem mit den Designerlabels Buzigahill, Dagger und GmbH.

Hier wurde Berlin seinem international gehegten und gepflegten Image gerecht: Zwischen den brutalistischen Betonpfeilern eines ehemaligen Heizkraftwerks liefen die Models zu dumpfen Klängen den Laufsteg entlang, finster dreinschauend und oft ganz in Schwarz.

Who is to blame?“ Wer ist schuld? – das ist die zentrale Frage der neuen Kollektion von Buzigahill. Das Label aus der ugandischen Hauptstadt Kampala, das von Designer Bobby Kolade gegründet wurde, macht mit seiner Initiative „Return to Sender“ auf den Müll aufmerksam, den der reiche Norden in den Globalen Süden schickt. Dort zerstört die Flut importierter Altkleidung viele Versuche, in Uganda eine lokale Textilindustrie aufleben zu lassen.

Und gleichzeitig ist die Suche nach den Schuldigen auch sinnlos. Wer ein System wie das kapitalistische verändern will, kommt mit dem erhobenen Zeigefinger nicht weit. Das weiß auch Designer Bobby Kolade. Viel erfolgreicher sind da schon Strategien, die sich das System zunutze machen. Zum Beispiel die Altkleider upcyceln, Begehrlichkeiten wecken und das Neue an den Norden zurück verkaufen.

Das gelingt nur mit gutem Design, und das wiederum beherrscht Bobby Kolade. Die Secondhand-Textilien werden vom berühmten Owino Market in Kampala bezogen, einem der größten Gebrauchtkleidungszentren Afrikas, sorgfältig gereinigt und durch maßgeschneidertes Upcycling transformiert. So überlistet Buzigahill das System auf charmante Weise und schafft tatsächlich neue Qualität. Den Rest regelt der Markt.

Sein Debüt auf der Berliner Fashion Week begeht der nigerianische Designer Kenneth Ize nicht mit einem klassischen Runway, sondern mit einer quadratischen Erhöhung, um die sich die Gäste versammeln. Von dort........

© Berliner Zeitung