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Berliner Label GmbH gewinnt den wichtigsten deutschen Modepreis 2026

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27.03.2026

Zum zweiten Mal wurde der FCG/Vogue Fashion Fund verliehen. Das Modelabel von Serhat Işık und Benjamin A. Huseby erhält den mit 50.000 Euro dotierten Preis, ein Mentoring-Programm und eine Show bei der Berlin Fashion Week.

Das Berliner Modelabel GmbH gewinnt den FCG/Vogue Fashion Fund 2026, den wichtigsten deutschen Förderpreis für aufstrebende Modedesigner. Serhat Işık und Benjamin Alexander Huseby, die Gründer des Labels, setzten sich gegen sechs weitere Finalist:innen durch – Gerrit Jacob, Lou de Bètoly, Laura Gerte, Haderlump, Balletshofer und Kitschy Couture.

Für die Jury war es vor allem die „klare Haltung“ des Labels, die den Ausschlag gab. „Serhat Işık und Benjamin A. Huseby haben eine unverwechselbare Welt geschaffen – präzise im Handwerk, konsequent in der Haltung und selbstbewusst in ihrer Ästhetik“, sagte Scott Lipinski, CEO des Fashion Council Germany. Kerstin Weng, Head of Editorial Content von Vogue Germany, ergänzte: „Man spürt das Herzblut und die Authentizität in jedem einzelnen Entwurf.“

Vom Club auf den Laufsteg

GmbH wurde 2016 gegründet, geboren aus der Berliner Nacht- und Clubszene. Işık, türkisch-deutsch, und Huseby, norwegisch-pakistanisch, lernten sich ein Jahr zuvor kennen. Schon der nüchterne Firmenname war Programm: keine Designer-Eitelkeit, sondern ein kollektives Projekt. Die frühen Kollektionen bestanden komplett aus Deadstock-Stoffen, die Ästhetik war geprägt von Schutzkleidung, industriellen Silhouetten und queerer Clubkultur. Carpenter Pants, Compression-Tops, vegane Lederhosen – Mode als Rüstung.

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Der internationale Aufstieg kam schnell. Bereits im Januar 2018 zeigte sich GmbH im offiziellen Pariser Menswear-Kalender. Es folgten eine Nominierung für den LVMH Prize und die Auswahl als Finalist des International Woolmark Prize 2020. Händler wie Dover Street Market und Ssense nahmen das Label ins Sortiment. 2021 wurden Işık und Huseby zu Creative Directors des italienischen Traditionshauses Trussardi berufen – ein Engagement, das im März 2023 endete, aber ihre Arbeit um Womenswear und klassisches Tailoring erweiterte.

Mode als politisches Werkzeug

Was GmbH von vielen Berliner Labels unterscheidet, ist die Konsequenz, mit der Işık und Huseby Mode als politisches Medium nutzen. Themen wie migrantische Identität, Rassismus und Queerness durchziehen ihre Arbeit seit den Anfängen. Besonders sichtbar wurde das in der Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt: Im Januar 2024 eröffneten sie ihre Pariser Show mit einer Rede, in der sie einen Waffenstillstand in Gaza forderten und zugleich über Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sprachen.

Diese Haltung brachte ihnen Bewunderung und Kritik gleichermaßen ein. In der Berliner Kultur- und Modeszene gehörten sie zu den lauteren Stimmen; international wurde ihre Positionierung als mutig, von manchen aber als einseitig bewertet. Und nun also vom Fashion Council und der deutschen Vogue ausgezeichnet.


© Berliner Zeitung