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Sündenbock Europa? Jetzt sucht Trump Schuldige für sein Scheitern

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09.04.2026

Es war einiges ungewöhnlich am Treffen zwischen Donald Trump und Mark Rutte im Weißen Haus. Es fand hinter verschlossenen Türen statt. Der US-Präsident und der Nato-Generalsekretär traten nicht gemeinsam auf. Rutte sprach später im CNN-Interview von einem schonungslosen Gespräch „zwischen guten Freunden“.

Direktheit und Offenheit waren bisher nicht der Weg, den der Niederländer im Umgang mit dem erratischen Präsidenten gewählt hatte. Er galt als Trump-Flüsterer, als Schmeichler, der versuchte, den mächtigen Verbündeten mit Lob und Zustimmung zu besänftigen.

Trump höhlt die Nato aus und macht sie zum Papiertiger

Dieses Mal wurde offenbar Klartext gesprochen. Und so sehr sich der Nato-Generalsekretär im Interview auch bemühte, die tiefen Risse im mächtigsten Verteidigungsbündnis der Welt zu verdecken, sie werden täglich größer und haben ein bedrohliches Ausmaß erreicht.

Es ist nicht so sehr die Frage, ob, und wenn ja wann, Trump das Bündnis mit einem großen Knall sprengt. Die Gefahr geht von innen aus. Er höhlt die Nato aus, entwertet sie seit Jahrzehnten, stellt sie und den Bündnisfall infrage und macht Verteidigungspolitik zur täglichen Loyalitätsprüfung. Das hat System und gipfelt in dem Satz: „Warum sollten wir für sie da sein, wenn sie nicht für uns da sind?“

Nicht nur im Kreml und in Peking reiben sich die Mächtigen verwundert die Augen: Trump zerlegt die Nato, ohne dass sie irgendetwas tun müssen. Besser kann es für Putin in Russland und Xi in China nicht laufen. Die zerstrittenen Europäer aber müssen begreifen, dass Trump sie zum Sündenbock für seine Fehlentscheidungen im Iran-Krieg macht. Und sie auf sich gestellt sind.


© Westfaelische Rundschau