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Talent ist keine Leistung – und trotzdem eine Note?

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22.03.2026

Talent ist keine Leistung – und trotzdem eine Note?

Die Schülerin der Kanti Sursee findet es unfair, dass im Sportunterricht Noten verteilt werden. Sie schreibt: «Sport sollte motivieren, nicht aussortieren.»

Es ist Dienstag, ich stehe in der Sporthalle, bereit, meine Sportprüfung im Geräteturnen zu absolvieren. Geräteturnen, das ich zuhause nicht üben kann, da ich leider keine Reckstange oder irgendwelche Turnringe besitze.

Es wird also etwas geprüft, was man in den wenigen Sportstunden perfektionieren soll. Und das Einzige, was mir da eine gute Note verschaffen kann, ist Talent. In Sport wird nicht geprüft, wie gut ich mir Sachen merken oder herleiten kann. Es wird Talent geprüft, wovon man mehr oder weniger besitzt. Ist es fair, dass Sport genau so viel zu meinem Gesamtschnitt beiträgt wie andere Fächer? Fächer wie Biologie oder Geschichte, für welche ich mich vorbereiten und lernen kann?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich mache gerne Sport und ich finde es wichtig, dass jungen Leuten verschiedene Sportarten beigebracht werden, sie etwas über den Körper lernen und animiert werden, sich zu bewegen. Bewegung ist wichtig für die physische und mentale Gesundheit. Sogar überlebenswichtig, da sie das Risiko für diverse Krankheiten senkt.

Der Zugang sollte aber ganz ohne Druck sein. Ganz im Sinne des bekannten Spruchs: «Jeder Mensch ist ein Genie. Doch wenn man einen Fisch nur nach seiner Fähigkeit, auf einen Baum zu klettern, beurteilt, wird er sein ganzes Leben lang glauben, er sei dumm.» Einem Fisch und einem Affen die Aufgabe zu geben, einen Baum hinauf zu klettern, ist doch unfair!

Aber genau das ist es, was an Schulen passiert. Sport sollte motivieren, nicht aussortieren. Er sollte Räume öffnen, nicht Rankings. Eine Note sagt nichts darüber aus, wie sehr ich mich bemüht habe oder wie viel Überwindung mich ein Sprung vom Kasten gekostet hat. Es ist Zeit, Sport zu dem zu machen, was es sein sollte: Ein Fach, das uns stärkt, nicht eines, das uns bewertet.

Lorena Nozinic ist 15 Jahre alt und Schülerin an der Kantonsschule Sursee. In der U20-Kolumne äussern sich jeweils alle zwei Wochen Lernende von Kantonsschulen zu einem frei gewählten Thema. Ihre Meinung muss nicht mit derjenigen der Redaktion übereinstimmen.

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