Abstieg vor aller Augen
Ein halbes Jahr Krieg in Iran – das ist zunächst ein halbes Jahr Furcht, Schrecken und Leid für die Bevölkerung des von den USA und Israel überfallenen Landes, die laut offiziellen Angaben mehr als 3.500 Todesopfer und Zehntausende Verletzte zu beklagen hat und die seit dem 28. Februar unter noch erheblich stärkeren Entbehrungen leben muss als aufgrund der westlichen Sanktionen schon zuvor. Das Leid der Bevölkerung ist in jedem Krieg zentral. In diesem muss man es hierzulande aber um so mehr betonen, als das offiziöse Gedenken in Deutschland stets nur verbündeten Staaten gilt, deren Flaggen, wenn sie angegriffen werden, auf das Brandenburger Tor projiziert werden, während man die Opfer verfeindeter Länder ignoriert: Gedenken ist in der Bundesrepublik längst Kampfgedenken geworden, ein Instrument im Kampf um die Köpfe. Im Fall Irans kommt hinzu, dass Berlins bedeutendster militärischer Verbündeter dem Land die nukleare Vernichtung angedroht hat – so wird dort jedenfalls, völlig........
