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Die Kraft des Gebets

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24.07.2026

24. Juli 2026 – 10. Aw 5786

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Wie wir Enttäuschungen verarbeiten und unser Gottvertrauen bewahren können

Der Abschnitt Wa’etchanan beginnt mit einem Appell Mosches an Gott: »Lass mich hinübergehen und sehen das gute Land jenseits des Jordans« (5. Buch Mose 3,25).

40 Jahre hatte er das Volk Israel durch die Wüste in tiefer Zuneigung geleitet. An der Grenze zum gelobten Land angekommen, erwartet Mosche keine Ehre und kein Lob. Er bittet nur darum, das verheißene Land betreten zu dürfen. »Aber der Ewige grollte mir um euretwillen und hörte nicht auf mich. Und er sprach zu mir: Genug, fahre nicht fort, zu mir noch in dieser Sache zu reden« (5. Buch Mose 3,26).

Auf den ersten Blick ist Gottes Reaktion so klar wie deprimierend für den Vater aller Propheten. Sie lässt fragen: Warum wird so ein zutiefst menschlich verständliches Gebet unmissverständlich negativ beschieden?

Das Gebet ist ein Weg, den Menschen zu stabilisieren

Vielleicht verbirgt sich die Antwort im Verständnis des Begriffs, den wir uns vom Gebet machen. Das Gebet ist in erster Linie nicht ein Instrument, um eine Antwort zu bekommen oder ein Ziel bei Gott zu erreichen. Es stellt einen Weg dar, um den Menschen zu stabilisieren. Das Gebet ändert die Realität nicht, aber es ändert den, der betet.

Mosche betet nicht, um Gottes Willen zu ändern. Mit seiner Bitte bringt er vielmehr seine tiefe Verbundenheit und ungebrochene Liebe zum Volk und Land Israel bei Gott zum Ausdruck.

Im Laufe des Abschnitts lesen wir einen Text, der zum zentralen Gebet des Judentums geworden ist: »Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist Einer. Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen« (5. Buch Mose 6, 4–5). Im Schma Jisrael kommen Glaube und Verantwortung zum Ausdruck. Die transzendentale Einheit Gottes verlangt von den Juden in der Welt, die Einheit mit dem Volk zu suchen und die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Spannungen, Spaltungen und Trennungen ist dieser Anspruch wichtiger denn je.

Kompromisse zu schließen, scheint fast nicht mehr gesellschaftsfähig........

© Juedische Allgemeine