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Der Spielplan muss neu geordnet werden

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Dilemma im Profifußball : Der Spielplan muss neu geordnet werden

In der wichtigsten Phase für Europas Klubs setzt der Fußball-Weltverband zwei Länderspiele an, die der Bundestrainer als WM-Tests nutzen muss. Das Dilemma ließe sich entschärfen – aber erst nach 2030.

Vier Monate hat Julian Nagelsmann Ideen sortiert, Stamm- und Rollenspieler definiert und danach seinen Kader nominiert. Auf Experimente möchte der Bundestrainer nun verzichten, der Personalplan steht – und ist doch nur so gut wie die Gesundheit der Fußball-Nationalspieler. Ob es alle 26 Nominierten heil zur WM oder auch nur bis zu den Tests in der Schweiz und gegen Ghana schaffen? Jeder Kader in der Qualifikation änderte sich; Nagelsmann musste nachnominieren.

Auch jetzt kam das erste Fragezeichen schnell. Aleksandar Pavlović plagen Hüftbeschwerden, dem FC Bayern fehlte er am Samstag. Prompt fragten die Münchner vielstimmig, ob Pavlović, der schon öfter ausfiel und die EM verpasste, besser nicht zur Nationalelf reisen sollte.

Julian Nagelsmann verzichtet auf Jamal Musiala

Die Frage – und implizierte Tendenz, sich in München zu kurieren – ist legitim. Pavlović wird vom Klub bezahlt, ist Stammspieler, in den nächsten Wochen stehen die wichtigsten Partien der Saison an. Die Erinnerungen ans Frühjahr 2025 sind frisch. Nach der Länderspielphase fielen einige Münchner Stars aus, die dezimierten Bayern scheiterten in der Champions League.

Verbandscoach Nagelsmann kennt als einstiger Vereinstrainer die Perspektiven. Bei Jamal Musiala, der an den Folgen einer Verletzung leidet, verzichtete er im Austausch mit dem Münchner Kollegen Vincent Kompany auf eine Nominierung in der Hoffnung, dass Musiala zur WM fit ist. Der Verzicht fällt Nagelsmann leichter, weil „nur“ Tests anstehen. Bei Play-off-Spielen um die WM-Teilnahme wäre seine Personalwahl wohl kompromissloser ausgefallen.

Das grundsätzliche Dilemma, dass Nationalspieler eine teils ungesunde Schnittmenge zweier Mannschaften mit unterschiedlichen Prioritäten bilden, bleibt, der Fakt, dass es immer und überall zu Verletzungen kommen kann, auch.

Die Terminierung der Länderspiele Ende März vor den entscheidenden Wochen für die Klubs verschärft die Problematik aber unnötig. Vorerst lässt sie sich nicht beheben. Der Weltverband FIFA hat den Spielkalender bis Ende 2030 festgezurrt mit je zwei Länderspielen Ende März.

Keine Länderspiele vor den wichtigsten Klubspielen

Doch es wird Gespräche über die Zeit danach geben. Wenn es allen Entscheidern, wie gerne betont, auch um das Wohlergehen der Profis geht, darf die Zahl der Partien und Wettbewerbe nicht weiter erhöht werden. Gleichzeitig muss es eine Neuordnung geben – vor allem ein Verzicht auf Länderspiele kurz vor den wichtigsten Spielen der Klubs.

Entweder werden die Länderspiele vorverlegt, was auch dazu führen könnte, dass eine WM oder EM nicht ausgelost werden muss, ohne dass alle Teilnehmer feststehen. Oder der Zeitraum wird nach hinten geschoben.

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Dann gäbe es zwar lange keine Länderspiele, aber das nächste Problem wäre auch gelöst: Während Nagelsmann die Nationalspieler auf die WM vorbereitet, fehlen einige womöglich wegen des Champions-League-Finales am 30. Mai. Am Tag danach steht ein Testländerspiel an, am 2. Juni geht es in die USA.

Dass bei allen vielfältigen Interessen sinnvolle Änderungen des Kalenders möglich sind, bewies die FIFA. Eine Neuerung startet im Herbst: Statt den Vereinsfußball durch drei Länderspielphasen zu unterbrechen, werden zwei zusammengelegt. Das löst nicht alle Terminprobleme, spart aber Reisetage für Nationalspieler – und ist ein kleiner, entlastender Fortschritt.

Tobias RabeVerantwortlicher Redakteur für Sport Online.

Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

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