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Wahre Fans müssen für die Superleague sein

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Langweilige Bundesliga : Wahre Fans müssen für die Superleague sein

Das Halbfinalspiel der Champions League zwischen PSG und Bayern hat vor Augen geführt, welche Magerkost die Bundesliga den Fans bietet. Es ist an der Zeit, die Münchner nur noch mit ihresgleichen spielen zu lassen.

Unser Getränkehändler, ein mit Adlerblut getaufter Fan der Frankfurter Eintracht, begann das Gespräch vor drei Wochen mit einem Seufzer. „Das war endlich mal wieder guter Fußball“, sagte der Mann. Er hatte am Vorabend das Viertelfinal-Hinspiel zwischen Real Madrid und Bayern München gesehen.

Die Szene wird sich beim nächsten Getränkekauf am Samstag vermutlich wiederholen, schließlich ist dann über das Halbfinal-Hinspiel der Bayern in Paris zu reden und über das Neun-Tore-Spektakel, mit dem die beiden Mannschaften am Dienstagabend die Zuschauer fasziniert haben. Was der gute Mann in der Zwischenzeit von der Eintracht angeboten bekommen hat, dürfte ihn nicht milder gestimmt haben in seinem Urteil über das Spielniveau seines Lieblingsvereins.

Wäre es nur das Problem der SGE in dieser Saison, die Szene ließe sich als lokale Begebenheit abtun. Aber in der Bundesliga häufen sich die langweiligen Spiele, deren Verlauf und Ausgang niemanden interessiert außer die Anhänger der jeweiligen Vereine. Immer häufiger müssen selbst die zur Schönfärberei entschlossenen Kommentatoren der Sender Dazn und Sky, die ihre Millioneninvestitionen in Übertragungsrechte wieder einspielen wollen, zugestehen, dass das Gezeigte zu wünschen übrig lässt.

Ein Draft-System könnte Serienmeisterschaften vorbeugen

Da beide Sender keine Quoten veröffentlichen, lässt sich nur spekulieren, inwieweit sich der Verlust an Niveau auf das Zuschauerinteresse auswirkt. Der Befund Frankfurter Wirte, die die Spiele auf Großleinwänden übertragen, ist jedenfalls ernüchternd.

Die Ödnis der Bundesliga wird durch die Dominanz der Bayern, die 13 der letzten 15 Meisterschaften für sich entschieden haben, noch verstärkt. Für den Getränkehändler und all jene, für die Fußballbegeisterung mehr ist als die bedingungslose Unterstützung des Herzensvereins, kann die Konsequenz nur lauten, neu über die Einführung einer europäischen Superleague nachzudenken, die nach ihrer Ankündigung vor einigen Jahren sofort als Teufelszeug verdammt wurde.

Angefeuert von Vorstandsmitgliedern hiesiger Fußball-AGs, von denen viele nur dank ihrer Kumpel-Netzwerkpflege in den Vereinen (und mit der gewaltbereiten Ultra-Szene) an ihre mit Millionengehältern versehenen Posten gekommen sind, forderten die treu-braven Fans das Festhalten an der 50+1-Regel, die den Einfluss von Investoren begrenzt. Mit gewaltigem Pathos wurde vor Verrat an der Tradition gewarnt, und die Politik, die die Macht der Vereine längst fürchtet, sekundierte pflichtschuldig.

Man sieht ja, wohin das führt. Eine Superleague würde viele Probleme lösen. Die Fans, die vor allem am schönen Spiel interessiert sind, kämen auf ihre Kosten, wenn Bayern seine Zeit nicht mehr in der Tiefebene von Wolfsburg verschwenden müsste, sondern es nur noch mit seinesgleichen zu tun bekäme.

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Die Superleague könnte zum Wohl des restlichen Europas die sich abzeichnende Dominanz der englischen Premier League verhindern; vor allem aber hätte sie die Marktmacht, nach amerikanischem Vorbild Budget- und Gehaltsobergrenzen festzulegen und die größten Nachwuchstalente aus aller Welt mittels eines Draft-Systems an die Vereine zu vermitteln, die in der Vorsaison am schlechtesten abgeschnitten haben.

Das würde die Chancengleichheit erhöhen und Serienmeisterschaften vorbauen. Und die Bundesliga? In der könnte ein U23-Team der Bayern antreten. Mehr Spannung wäre dann immerhin garantiert, im Stadion und vor dem Fernseher.

Matthias AlexanderStellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.


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