Ein Ende ist in Sicht
Wirecard-Strafprozess : Ein Ende ist in Sicht
Im Münchner Wirecard-Prozess spricht vieles für ein baldiges Ende. Dabei gilt: Eine Systemkritik darf nicht die Frage nach der Schuld der Angeklagten überlagern.
Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ gilt als Schlüsselwerk der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts. Es gehört zu den Lieblingsbüchern von Markus Braun. Der langjährige Vorstandschef und Großaktionär von Wirecard zitierte seinen österreichischen Landsmann in der Vergangenheit gerne. Zwischen Musils Fiktion und Brauns Rolle im Strafverfahren, das das Landgericht seit weit mehr als drei Jahren beschäftigt, lassen sich durchaus Parallelen ziehen.
Ein zentrales Motiv des Romans ist die Frage, wie leicht sich individuelle Verantwortung für ein Verbrechen in gesellschaftliche Systemkritik umdeuten lässt. In der strafrechtlichen Aufarbeitung des Wirecard-Skandals weist Braun die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seit Jahren zurück. Die Ankläger werfen ihm Betrug und Untreu zulasten von Banken und Geschäftspartnern des Zahlungsdienstleisters und einstigen Dax-Konzerns vor. Mit seiner Hypothese, selbst Opfer eines Betrugs durch ein kriminelles Netzwerk im Wirecard-Konzern geworden zu sein, macht sich Braun die Kritik an den Organisationsmängeln bei Wirecards Abschlussprüfer EY oder am Aufsichtsversagen der Bafin zwar nicht ausdrücklich zu eigen.
F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren........
