Nach Machtwechsel in Budapest: Verlagern deutsche Unternehmen jetzt noch mehr Produktion?
Schon vor der Wahl haben viele deutsche Unternehmen wie Bosch und Mercedes Teile ihrer Produktion nach Ungarn verlagert. Niedrige Kosten und günstige Energie treiben diese Entwicklung seit Jahren. Mit dem Regierungswechsel dürfte der Druck auf den Standort Deutschland nun weiter steigen.„Ungarn war schon sehr attraktiv für die deutsche Industrie und wird durch den Regierungswechsel und die vermeintlich größere EU-Nähe noch attraktiver“, sagt Frank Schwope, Dozent für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) Köln, auf Anfrage der Berliner Zeitung. Ungarns designierter Ministerpräsident Péter Magyar hat bereits engere Zusammenarbeit mit Deutschland angekündigt.
Verlagert sich jetzt noch mehr Produktion nach Ungarn? Und was sagen deutsche Unternehmen dazu?
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Deutsche Autobauer bauen Werke in Ungarn massiv aus
Die deutschen Autobauer haben ihre Investitionen in den ungarischen Wirtschaftsstandort in den letzten Jahren erhöht. BMW investiert zwei Milliarden Euro in ein neues Werk in Debrecen. Mercedes verdoppelt seine Produktionskapazitäten in Kecskemét von 200.000 auf 400.000 Einheiten, es wird das größte Mercedes-Werk in Europa. Und auch Audi beschäftigt mittlerweile rund 11.000 Mitarbeiter vor Ort. Das zeigt ein kritisches Muster: Während hierzulande die Sorge vor einem schleichenden Verlust industrieller Substanz wächst, bauen deutsche Unternehmen in Ungarn neue Kapazitäten auf.
Aufgrund der niedrigen Kostenstrukturen und gut ausgebildeter Fachkräfte könne es durchaus zu weiteren „Produktionsverlagerungen“ nach Ungarn kommen, sagt Autoexperte Schwope.
Manche deutsche Unternehmen seien unter Orbán „verfolgt“ worden – jetzt sollen sie gleich behandelt werden, verspricht Magyar. „Ungarn wird wieder berechenbar.“ Doch was bedeutet das? Tatsächlich war das wirtschaftspolitische Umfeld in den vergangenen Jahren nicht für alle Branchen gleichermaßen verlässlich. Unternehmen im Binnenmarkt gerieten immer wieder unter Druck – etwa durch Sondersteuern, staatliche Preisvorgaben oder........
