Niedrigere Tempolimits: Leben retten zum Nulltarif
Kurz wurden sie ins Spiel gebracht, aber dann gleich wieder totgeschwiegen. Weil man Österreichs „Melkkühen der Nation“ – also den Autofahrer:innen – ja nicht zusätzlich zu höheren Spritpreisen auch noch niedrigere Tempolimits aufs Aug drücken kann. Und so einigte sich die Bundesregierung angesichts der Krise infolge des jüngsten USA-Israel-Iran-Krieges im Frühjahr zwar rasch auf eine Spritpreisbremse, die Debatte um eine Reduktion der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten zwecks Spritsparens wurde hingegen im Keim erstickt.
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Damit wurde eine große Chance vertan, mit 30/80/100 statt 50/100/130 nicht nur dem Klima etwas Gutes zu tun, sondern auch den Menschen. Konkret sorgt Tempo 30 statt 50 im Ortsgebiet für mehr Lebensqualität bei den Anrainer:innen; Tempo 80 statt 100 im Freiland reduziert erwiesenermaßen die Zahl der schweren Verkehrsunfälle massiv; und Tempo 100 statt 130 auf der Autobahn schützt vor allem Umwelt und Klima.
5 Prozent weniger Geschwindigkeit – 21 Prozent weniger Getötete
Stichhaltige Argumente, warum vor allem auf Landstraßen der Fuß vom Gaspedal genommen werden sollte, liefert der Verkehrswissenschaftler Wolfgang J. Berger von der BOKU Wien. In Österreich, wo aufgrund der bergigen oder hügeligen Topografie ein Großteil des Überlandstraßennetzes abseits der Autobahnen nicht schnurgerade und gut einsehbar ist, sondern kurvenreich, schmal und oft schon in die Jahre gekommen, sind fast zwei Drittel aller Verkehrstoten im Freiland zu beklagen, also weit mehr als auf den gut ausgebauten Autobahnen. „Drei Viertel davon sterben bei Frontal- oder Alleinunfällen – das sind also fast die Hälfte aller Verkehrstoten in Österreich“, erklärt Berger. Und gerade bei diesen Unfällen ist oft überhöhte Geschwindigkeit mit im Spiel; sie ist die Hauptursache bei tödlichen Unfällen und wirkt sich erwiesenermaßen auf die Schwere von Unfällen aus.
„Schon 5 Prozent weniger Durchschnittsgeschwindigkeit auf Landstraßen würden 21 Prozent weniger Unfalltote bedeuten“, rechnet der Verkehrsforscher vor. Der Grund dafür ist in der Physik zu suchen – Stichwort........
