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Macron geht mit Ideen schwanger

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21.02.2026

Um gegen die sinkende Geburtenrate in Frankreich vorzugehen, setzt Staatspräsident Emmanuel Macron auf 16 Maßnahmen, darunter Aufklärungsbriefe über die Risiken einer zu späten Schwangerschaft, aber auch Kostenübernahme für Eizellen-Einfrierung für Frauen zwischen 29 und 37 Jahren.

Der Brief suggeriert, dass Unwissenheit über Risiken einer zu späten Schwangerschaft der Hauptgrund für Kinderlosigkeit sei, was als verkürzt kritisiert wird.

Hier wird ein gesellschaftliches Problem auf das Individuum abgewälzt, und vor allem auf Frauen. Sex wird somit zu einem politischen Akt.

Frankreich plant 16 Maßnahmen gegen die sinkende Geburtenrate und Unfruchtbarkeit.

Bei 29- bis 37-Jährigen will der Staat künftig die Kosten für das Einfrieren von Eizellen übernehmen.

Macron sprach 2023 von „demografischer Wiederaufrüstung“, jetzt von der "Bekämpfung der Unfruchtbarkeit".

Um gegen die sinkende Geburtenrate in Frankreich vorzugehen, setzt Staatspräsident Emmanuel Macron auf 16 Maßnahmen, darunter Aufklärungsbriefe über die Risiken einer zu späten Schwangerschaft, aber auch Kostenübernahme für Eizellen-Einfrierung für Frauen zwischen 29 und 37 Jahren.

Der Brief suggeriert, dass Unwissenheit über Risiken einer zu späten Schwangerschaft der Hauptgrund für Kinderlosigkeit sei, was als verkürzt kritisiert wird.

Hier wird ein gesellschaftliches Problem auf das Individuum abgewälzt, und vor allem auf Frauen. Sex wird somit zu einem politischen Akt.

Frankreich plant 16 Maßnahmen gegen die sinkende Geburtenrate und Unfruchtbarkeit.

Bei 29- bis 37-Jährigen will der Staat künftig die Kosten für das Einfrieren von Eizellen übernehmen.

Macron sprach 2023 von „demografischer Wiederaufrüstung“, jetzt von der "Bekämpfung der Unfruchtbarkeit".

Ein Samstagmorgen in einer französischen Stadt. Eine 29-jährige Frau öffnet einen Brief. „Es ist Zeit, darüber nachzudenken, ob Sie ein Kind wollen oder nicht.” Also macht Liebe! GaLiGrü, Ihr Gesundheitsministerium, steht darin. Die Entscheidung der jungen Frau, keine Kinder zu bekommen, ändert sich in diesem Moment schlagartig – danke Gesundheitsministerium.

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So in etwa stellt sich das der französische Staatspräsident Emmanuel Macron wohl vor. Der Brief ist eine von 16 Maßnahmen, um die „Bekämpfung der Unfruchtbarkeit” umzusetzen. Die martialische Rhetorik ist wohl gewollt, schon 2023 hatte Macron von der „demografischen Wiederaufrüstung” gesprochen. Die anderen Maßnahmen zeigen tatsächlich gute Ansätze. Ein Beispiel: Ist man zwischen 29 und 37 Jahre alt und möchte die eigenen Eizellen einfrieren lassen, so übernimmt der Staat die Kosten.

Aber es wirkt trotzdem so, als ob die französische Regierung davon ausgeht, dass Paare nur keine Kinder haben, weil sie nicht wissen, dass das Potenzial einer Risikoschwangerschaft mit zunehmendem Alter steigt. Abgesehen davon, dass das völlig absurd ist – es gibt vielerlei Gründe für Kinderlosigkeit –, wird mal wieder ein gesellschaftliches Problem auf das Individuum und vor allem auf die Frauen, abgewälzt. Denn Sex wird durch diesen Brief zum politischen Akt. Und ja eh, der Körper einer Frau, ihre Handlungen und Entscheidungen sind sowieso immer und überall politisch, aber lasst den Leuten doch immerhin ihren Sex! Ich will nicht bei jedem Orgasmus meines Partners daran denken müssen, dass ich in den Augen der Regierung gerade meinen gesellschaftlichen Beitrag leisten könnte.

Egal wie aufgeklärt eine Gesellschaft ist, Kinder und alles, was dazugehört, wird nach wie vor vorwiegend von Frauen geschultert. Hier Entlastung zu schaffen wäre das Ziel. Eine postalische Erinnerung, dass man sich sputen sollte, Kinder zu kriegen, baut nur noch mehr Druck auf. Aber wie könnte es Macron auch besser wissen? Er hat keine Kinder – hat ja auch mit 29 keinen Brief bekommen.

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In Frankreich lag die durchschnittliche Geburtenrate im Jahr 2023 bei 1,66 Kinder pro Frau und damit EU-weit auf dem zweiten Platz. In Österreich lag sie bei 1,32 Kindern. (Statista)

Aktuell sind 3,3 Millionen Menschen in Frankreich unfruchtbar. (Französisches Gesundheitsministerium)

Aktuell gibt es in Frankreich 40 Zentren, in denen man Eizellen einfrieren lassen kann. Teil des 16-Punkte-Plans ist es, 30 neue zu bauen. (Der Standard)

16-Punkte-Plan des französischen Gesundheitsministerium

Pressemitteilung über den Brief und seine Zwecke

Das Thema in anderen Medien

Der Standard: "Faites l'amour!": Macron will, dass junge Erwachsene mehr Kinder kriegen

SRF: Frankreich geht in die Offensitve: Mehr Kinder erwünscht


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