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Keine Schläge – keine Gewalt?

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27.03.2026

Christopher Seiler bestreitet körperliche Gewalt, obwohl das Verabreichen von Drogen gegen den Willen bereits Gewalt darstellt.

Viele Männer erkennen eigene Gewalt nicht an und rechtfertigen oder verharmlosen ihr Verhalten mit Mythen und Ausreden.

Sexuelle und häusliche Gewalt werden oft nicht als solche erkannt, besonders wenn sie nicht dem Klischeebild entsprechen.

Jede dritte Frau in der EU erlebt Gewalt durch Männer.

2021 gaben 30 % der US-Studenten an, mindestens einmal eine Vergewaltigung begangen zu haben, wenn das Wort nicht verwendet wurde.

In einer britischen Studie entsprach nur 0,25 % der Vergewaltigungen dem Klischeebild.

1991 wurde Vergewaltigung in der Ehe in Österreich strafbar.

Christopher Seiler bestreitet körperliche Gewalt, obwohl das Verabreichen von Drogen gegen den Willen bereits Gewalt darstellt.

Viele Männer erkennen eigene Gewalt nicht an und rechtfertigen oder verharmlosen ihr Verhalten mit Mythen und Ausreden.

Sexuelle und häusliche Gewalt werden oft nicht als solche erkannt, besonders wenn sie nicht dem Klischeebild entsprechen.

Jede dritte Frau in der EU erlebt Gewalt durch Männer.

2021 gaben 30 % der US-Studenten an, mindestens einmal eine Vergewaltigung begangen zu haben, wenn das Wort nicht verwendet wurde.

In einer britischen Studie entsprach nur 0,25 % der Vergewaltigungen dem Klischeebild.

1991 wurde Vergewaltigung in der Ehe in Österreich strafbar.

Vor einigen Tagen wurde öffentlich, dass gegen den Austropop-Star Christopher Seiler von Seiler und Speer wegen Körperverletzung ermittelt wird, nachdem ihn eine Frau angezeigt hat. Die Staatsanwaltschaft hat verlautbart, dass keine Details zu den Vorwürfen oder zur Ermittlung veröffentlicht wurden. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

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Da ist niemand geschlagen worden

Christopher Seiler selbst meldete sich auf Instagram zu Wort und beschrieb den Vorfall, indem er mit einer Handbewegung vorzeigte, er habe die betroffene Frau gepackt (seine Wortwahl: „nimmt sie so“) und ihr Kokain auf ihre Lippen geschmiert. Er entschuldigte sich dafür und betonte: „Es gab keinen sexuellen Übergriff. Es gab keine körperliche Gewalt. Da ist niemand geschlagen worden.“

Seiler beschreibt also Gewalt und sagt ein paar Sätze später, es hätte keine körperliche Gewalt gegeben. Aber: Selbstverständlich bedeutet die Abwesenheit von Schlägen nicht die Abwesenheit von körperlicher Gewalt – das von Seiler beschriebene Verabreichen von Drogen gegen den Willen der Person, der die Drogen verabreicht werden, ist bereits inhärent körperliche Gewalt. Und an genau der Stelle offenbart Seilers Entschuldigungsvideo ein weitverbreitetes Problem, eines, das weit über diesen konkreten Fall hinausgeht: Gewalt wird oft nicht als Gewalt verstanden. Das gilt besonders für jene, die sie ausüben.

Jede dritte Frau aber keine Männer

Sehr viele Männer sind davon überzeugt, keine Gewalttäter zu sein, oder gar niemals welche werden zu können, während sie längst welche sind. Während nämlich jede dritte Frau in der EU Gewalt durch Männer ausgesetzt ist (und das ist nur das Hellfeld), sind erstaunlich viele Männer davon überzeugt, keine Gewalt auszuüben, ereifern sich darin, sich von den anderen, den bösen, den gewalttätigen Männern abzugrenzen und tröten im Brustton der Unschuldsüberzeugung „not all men“ in die Kommentarspalten.

Dass all die Männer, die das tun, allerdings „keine von denen“ sind, die Frauen Gewalt antun, ist leider rein statistisch unmöglich. Es ist mittlerweile zu einem feministischen Gemeinplatz geworden, aber es kann nicht sein, dass jede Frau, die wir kennen, Erfahrungen mit männlicher Gewalt gemacht hat, aber kein Mann, den wir kennen, diese Gewalt ausübt.

Die Gewalttäter sind die anderen Männer

Die Männer, die wir kennen, halten sich lieber an folgende Unwahrheit:........

© Wiener Zeitung