Trumps eigene paramilitärische Truppe
Vor wenigen Tagen wurde der fünfjährige Liam Conejo Ramos mit seinem Vater Conejo Arias in der Einfahrt zu ihrem Haus in Columbia Heights, einem Vorort nördlich von Minneapolis, verhaftet. Der Vater hatte den Sohn vom Kindergarten abgeholt. ICE-Beamt:innen hatten vor dem Haus auf Conejo gewartet. Als dieser die schwerbewaffnete und vermummte Bundespolizei bemerkte, sei er weggelaufen, doch er hatte keine Chance. Schon kurz darauf wurde er in Handschellen abgeführt. Ein ICE-Beamter blieb bei dem Jungen und forderte ihn auf, an die Wohnungstür zu klopfen, um zu sehen, ob noch weitere Personen im Haus sind.
Ein Fünfjähriger als Köder einer ICE-Operation. Liam und sein Vater wurden mitgenommen und sind nun in einer Einrichtung im texanischen San Antonio untergebracht. Dort warten sie auf ihre Abschiebung – und das, obwohl die Familie seit ihrer Ankunft in den USA alle Anordnungen und Regeln der Einwanderungsbehörde befolgt hat und ihr Asylverfahren noch offen war. Hinter den Verlegungen in texanische Abschiebegefängnisse steckt System. Das Heimatschutzministerium geht davon aus, dass sich im konservativen Texas Immigrationsgerichte schneller für die beschleunigte Abschiebung von Migrant:innen entscheiden, als im eher liberalen Minnesota.
Mehr als 3.000 Beamt:innen der Einwanderungspolizei ICE (Immigration and Customs Enforcement) waren zuletzt im Großraum Minneapolis in Minnesota im Einsatz. Mehr als fünfmal so viele wie das Minneapolis Police Department Polizist:innen hat. Immer mehr Menschen wehren sich aktiv gegen ICE-Maßnahmen, zwei US-Staatsbürger:innen wurden dabei auch getötet – Reneé Good und Alex Pretti.
Es waren Schüsse, die die Nation wachrütteln und tiefer spalten.
ICE-Beamt:innen gehen bei ihren umstrittenen Aktivitäten wenig behutsam vor. In den sozialen Medien, und allabendlich in den Nachrichtensendungen in der ganzen Welt, kann man die neuesten und schockierende Bilder und Videos von brutalen Verhaftungen sehen. Da werden Menschen aus ihren Autos gezerrt, Fensterscheiben eingeschlagen, Sicherheitsgurte durchgeschnitten, Haustüren eingetreten und Protestierende auf den Straßen von Minneapolis mit Tränengas eingenebelt.
Ein ganz normales Vorgehen, so beschreibt es Marcos Charles, der seit Mitte 2025 Einsatzleiter für die „Enforcement and Removal Operations“ (ERO), den ICE-Einsatztruppen, ist. Die ICE-Beamt:innen hätten dabei „gezielte Razzien“ durchgeführt, „um die Schlimmsten der Schlimmen zu finden.“ Dass dabei auch Kinder und Unschuldige zu Schaden kommen und selbst nicht-weiße US-Staatsbürger:innen mit Akzent auf den Straßen von Minneapolis........
