Aufrüstung reicht nicht: Was ein großer Krieg uns abverlangen würde
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Aufrüstung reicht nicht: Was ein großer Krieg uns abverlangen würde
15. September 2026 | Avraham Shmulevich
Europa bestellt Waffen, doch auf den Ernstfall ist seine Gesellschaft kaum vorbereitet. Mobilisierung braucht Regeln – bevor der Krieg sie diktiert.
VON AVRAHAM SHMULEVICH
Noch 1930 plante der amerikanische Generalstab einen Krieg gegen das britische Empire, bei dem amerikanische Truppen Kanada besetzen sollten. Kanada hatte seinerseits einen Plan für einen Krieg mit den Vereinigten Staaten. Wenige Jahre später kämpften beide Länder gemeinsam gegen Deutschland. Ende der 1970er Jahre lieferte Israel Waffen an Iran und half beim Aufbau der iranischen Rüstungsindustrie. Iran deckte damals rund 70 Prozent des israelischen Ölbedarfs. Heute greifen beide Staaten einander militärisch an.
Armeen überleben die politischen Verhältnisse, unter denen sie entstehen. Bei Waffen ist das offensichtlich. Dasselbe gilt für Kasernen, Ausbildungssysteme, Reserven und militärische Organisationen. Schwieriger ist etwas anderes: Eine Gesellschaft, die eine Armee unterhalten kann, ist noch lange keine Gesellschaft, die sich für einen Krieg mobilisieren lässt.
Für Europa gibt es dafür einen besonderen Grund. Die geringe Mobilisierungsfähigkeit europäischer Gesellschaften ist selbst ein Ergebnis der europäischen Nachkriegsgeschichte.
Nach 1945 sollte in Westdeutschland irgendwann wieder eine Armee entstehen. Zugleich sollte jene Verbindung von militärischer Organisation, Staat und Gesellschaft nicht zurückkehren, die Deutschland in der ersten Hälfte des Jahrhunderts geprägt hatte. Die 1955 gegründete Bundeswehr wurde deshalb von Anfang an in ein System politischer und rechtlicher Begrenzungen eingebaut. Der Grundsatz der Inneren Führung sollte den Soldaten als Staatsbürger in Uniform erhalten. Der Einsatz der Streitkräfte wurde parlamentarischer Kontrolle unterworfen. Das Grundgesetz garantierte das Recht, den Kriegsdienst mit der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern.
Auch die europäische Integration begrenzte die........
