Mit dem Cello unterwegs in den Alpen
Jodok, Sie sind auf einem Biobauernhof im Emmental in der Zentralschweiz aufgewachsen. Ist es schön dort?
CELLO: Sehr schön sogar. Ländlich, mit vielen Tannenwäldern und grünen Hügeln. Ich bin sehr behütet großgeworden, auf einem Hof mit 18 Kühen, zwei Pferden, Katzen, Hunden, Hühnern, viel Obst, Getreide und Kartoffeln. Unser Haus war eine Mischung aus Biobauernhof und Kinderheim. Ich habe zwei Geschwister, und dazu kamen die Pflegekinder, die in schwierigen Verhältnissen aufwuchsen und bei uns in der Natur im Emmental runterkommen konnten.
Gibt es den Bauernhof noch?
CELLO: Den Hof gibt es noch, er wird aber jetzt von jungen Leuten bewirtschaftet. Uns drei Kinder hat es alle in die Kunst gezogen, und meine Eltern wohnen nun in einem kleinen Häuschen direkt nebenan.
Wie kommt der Junge vom Biobauernhof zum Cello?
CELLO: Als ich sieben Jahre alt war, kam ein junger Lehrer zu uns auf den Hof. Er litt an Burnout, konnte super Fußball spielen, kam aus der Stadt, kannte die Welt – ich war direkt ein Fan von ihm. Und er hat Cello gespielt. Das wollte ich dann auch, und schnell wurde deutlich, dass ich ein gewisses Talent hatte und dieses Instrument wirklich liebte. Ich bin aufgegangen in der Emotionalität und der Wärme seines Klanges. Im ersten Jahr gab mir der junge Cello-Lehrer auf dem Hof Unterricht, dann bin ich zur Musikschule gegangen, wurde Lehrer für Musik und Sport und erwarb außerdem noch ein Konzertdiplom.
War Profi-Cellist immer Ihr Musikwunsch?
CELLO: Nein, ich wollte eigentlich Bäcker werden, dann Gärtner oder Schreiner. Dann besuchte ich einige klassische Konzerte in großen Häusern, und es hat mich unglaublich fasziniert, wie fokussiert 2000 Menschen den Musikern auf der Bühne lauschten. Das hat mich nicht mehr losgelassen.
Als Schreiner wären Sie begabt gewesen – Sie haben Ihr eigenes Cello gebaut.
CELLO: Das stimmt. 568 Stunden hat die Arbeit an dem Cello gedauert, ich habe darüber Tagebuch geführt. Ich........
