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So feiern katholische und evangelische Christen in Bad Säckingen das Osterfest

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An Ostern feiern Christen die Auferstehung Jesu und die Überwindung des Todes. Es ist ein Fest der Freude und der Hoffnung – aber auch Tod, Leid und Opfer gehören untrennbar dazu. Bei den diesjährigen Ostergottesdiensten betonten die Geistlichen auch diese Abgründe. Schließlich sei es nicht schwer, in der gegenwärtigen Welt Leid, Kriege und Krisen zu finden.

Die Gläubigen der Konfessionen hatten viele Möglichkeiten, Passion und Ostenr zu feiern

Trotz des Priestermangels in der römisch-katholischen Kirche hatten die Gläubigen wieder zahlreiche Gelegenheiten, die Passions- und Ostergeschichte mitzufeiern: vom letzten Abendmahl über die noch ganz im Bann des Todes stehende Karfreitagsliturgie bis zu den Osterhochämtern. Besonders sinnfällig wird die theologische Botschaft von der Überwindung des Dunkel durch das Licht in der Osternacht, die seit vielen Jahren gemeinsam von Alt-Katholiken und Evangelischen in und vor der alt-katholischen Kirche St. Peter und Paul auf dem Aufriedhof gefeiert wird.

Die Feier war wie ein innerer Gang durch die Heilsgeschichte, beginnend mit der Lesung aus dem Buch Genesis und Auszügen aus den Büchern der Propheten in der fast vollkommen verdunkelten und bis auf den letzten Platz besetzten Kirche. Danach entzündete der alt-katholische Pfarrer Armin Strenzl vor der Kirche das Osterfeuer und die Osterkerze, und die Besucher strömten mit ihren Osterkerzen zurück in die Kirche, die erst mit den Lesungen aus dem Neuen Testament ins Licht getaucht wurde. Erstmals seit dem Aschermittwoch erklangen wieder Halleluja-Rufe.

„Die Welt ist nun einmal unerlöst, die Schöpfung ächzt und stöhnt“

Die Predigt hielt der Prädikant der evangelischen Kirchengemeinde, Roland Hoos-Michelotti. Er verwies darauf, dass Sühne und Opfer Bestandteile der neutestamentlichen Christus-Überlieferung seien und fragte rhetorisch: „Klingt dies nicht wie ein Modell aus vergangenen Zeiten, das im Widerspruch zur Vorstellung eines liebenden Gottes steht?“ Zwar werde man durch solche Begriffe herausgefordert, aber sie hätten ihren Sinn, denn: „Die Welt ist nun einmal unerlöst, die Schöpfung ächzt und stöhnt, und diese Wirklichkeit wird in diesen Bildern aufgegriffen.“

Der Prädikant gab zu bedenken: Der Grund für Jesu Leiden und Tod: Das sind wir.“ Allerdings könne man das Wort „Opfer“ auch als Preisgabe, Hingabe, Vermittlung zwischen Himmel und Erde deuten. Der Opfertod Christi sei eine Selbstverschwendung Gottes, wie überhaupt die christliche Religion (besonders laut der paulinischen Theologie) eine Versöhnungsgeschichte zwischen Gott und der Welt sei. Nach der Erneuerung des Taufversprechens feierten Armin Strenzl und Roland Hoos-Michelotti im Geiste der Ökumene gemeinsam Eucharistie, wozu Getaufte aller Konfessionen eingeladen waren.

Für den Pfarrer Peter Nicola war es das erste Osterfest im Münster

Im römisch-katholischen St.-Fridolins-Münster wurde das Osterhochamt zum ersten Mal von Peter Nicola, dem neuen Leitenden Pfarrer der Großpfarrei, zelebriert. Zwei Organisten, ein Chor und Bläser setzten den festlichen Rahmen. Das Münster war sehr gut besucht, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass in einer von Materialismus und Säkularismus geprägten Gesellschaft die Botschaft von der Auferstehung oft auf Skepsis stößt.

„Viele Menschen in Deutschland und Europa halten die Auferstehung vom Tode nicht für möglich, sie halten die Wirklichkeit der Welt für endgültig und denken, dass der Tod allem Leben ein Ende setzt“, sagte der Prediger. Darauf zitierte er eine berühmte Schrift des jüdischen Philosophen Martin Buber, in der ein Rabbi einem aufklärerischen Skeptiker den einfachen Satz „Vielleicht ist es doch wahr“ entgegensetzt. Und der Prediger reflektierte über die sinnstiftende und quasi „therapeutische“ Funktion der Osterbotschaft: „Sind sich diejenigen, die die Auferstehung nicht für möglich halten, wirklich bewusst, dass diese Einstellung ihre Haltung zum Leben grundsätzlich beeinflusst?“

Er verwies auf die Opfer von Terror, Gewalt und Krieg und meinte: „Ich muss an die Auferstehung glauben, wenn das Leben dieser Menschen nicht umsonst gewesen sein soll; und es ist möglich zu glauben, dass die Vernichtung des Lebens nicht das letzte Wort sein soll.“ Möglich sei es, weil Gott den Glauben möglich gemacht habe, denn: „Die Wahrheit Gottes lässt sich nicht kreuzigen.“

Die drei Kirchengemeinden in Bad Säckingen

In Bad Säckingen gibt es drei katholische beziehungsweise evangelische Kirchengemeinden. Die Gläubigen der Römisch-Katholischen Kirche gehören seit 1. Januar 2026 zur Pfarrei St. Fridolin. Sie zählt rund 35.000 Mitglieder und umfasst den westlichen Landkreis Waldshut. Die Evangelische Kirchengemeinde Bad Säckingen zählt etwa 2800 Gemeindemitglieder, die in Bad Säckingen und seinen Stadtteilen leben. Die Katholische Pfarrgemeinde der Alt-Katholiken Hochrhein-Wiesental umfasst rund 230 Gläubige im westlichen Landkreis Waldshut und östlichen Landkreis Lörrach.

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