Eisfans aufgepasst: Das ist die Sorte des Jahres 2026
„Was bekommen Sie?“ Die Frage kommt zu früh. Hinter dem Glas der Theke leuchten verschiedene Sorten, daneben stapeln sich Waffeln und bunte Becher. Plötzlich ist da nur noch eins: Entscheidungsstress. Mit der Schlange im Nacken wird es am Ende doch wieder Vanille. Oder Schokolade. Eine Standardsorte eben. Wie immer.
Diese Eissorten bestellen die Deutschen am meisten
Genau das passiert in Deutschland häufig, sagt Annalisa Carnio. Sie ist Sprecherin des Verbandes der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland (Uniteis). „Die Deutschen sind einfach sehr konservativ und lieben die Klassiker.“ Dazu gehören Jahr für Jahr die großen Renner Erdbeere, Vanille, Schokolade, Haselnuss oder Stracciatella. Im Sommer geht der Trend, je nach Wetter, dann mehr zu Fruchteissorten und Sorbets wie Zitrone oder Mango.
Das steckt hinter dem Eis des Jahres 2026
Das Eis des Jahres fällt allerdings eindeutig aus diesem Muster. Seit 21 Jahren kürt Uniteis jede Saison eine andere Sorte. In diesem Jahr trägt sie den Namen „Pinocchio“. Offiziell wird sie an diesem Montag präsentiert, doch Uniteis hat unserer Redaktion bereits verraten, was drinsteckt: eine Mischung aus Milcheis und Erdbeersorbet, garniert mit in Schokolade getunkten Grissini, erklärt Carnio. Für den Namen haben die Eisspezialisten sich entschieden, weil der italienische Schriftsteller Carlo Collodi, der Erfinder der berühmten Kinderbuchfigur Pinocchio, dieses Jahr 200 Jahre alt geworden wäre. „Wir wollten die Eissorte dieses Jahr unserer italienischen Tradition widmen“, sagt Carnio. „Und zeigen, dass wir unsere Literatur und Geschichte schätzen.“
Mit dem beliebten Kindereisbecher Pinocchio – Smarties als Augen, eine Waffel als Hut, ein Keksröllchen als Nase – hat die Eissorte nichts zu tun. Der Eisbecher Pinocchio sei aber immer noch ein Klassiker in der Kinderkarte, sagt die Sprecherin.
Welche Sorten sonst bisher den Titel abräumten
Oft entstehen aus den Siegersorten neue Trends. Ein Gewinner war beispielsweise das „Latte macchiato Eis“ im Jahr 2005. „Aus dieser Richtung entwickelten sich dann Sorten wie Tiramisu oder Café“, sagt Carnio. Oder der Sieger aus dem Jahr 2018 „German Black Forest“, eine Anspielung auf die Schwarzwälder Kirschtorte in Eisform. Zu den klassischen Hauptzutaten Schokolade und Sauerkirschen gesellte sich dabei auch Kirschwasser. „Danach sah man immer mehr Eis mit Kuchengeschmack.“ Eiskalt und in Kugelform konnten Kunden plötzlich auch Bienenstich, Linzertorte oder Apfelstrudel probieren. Und das zunehmend auch im Winter, sagt Carnio.
Diese Trends gibt es in dieser Saison 2026
Gleichzeitig entwickelt sich der Trend immer weiter in Richtung veganer und laktosefreier Eissorten. „Da reicht oft nicht mehr nur ein Fruchtsorbet“, sagt die Expertin. Auch in diesem Bereich gab es bereits ein Eis des Jahres: „Veganuss“, eine tierproduktfreie Haselnusssorte.
Allerdings sind solche ausgefallenen Sorten nicht überall zu finden. „Es hängt von einigen Faktoren ab“, erklärt Carnio. Etwa, ob sich eine Eisdiele in der Stadt oder auf dem Land befindet, ob eher Kinder oder Erwachsene zur Kundschaft gehören. Das zeigt sich auch an Trends wie der „Dubai-Schokolade“. Die Kreation aus Schokolade, Pistazie und Engelshaar erreichte im vergangenen Jahr viele Eisdielen. Doch wie sieht es in diesem Jahr aus? „Die Zutaten sind teuer, deshalb müsste auch die Sorte mehr kosten“, sagt Carnio. Aus diesem Grund wird es wohl weniger Angebot geben. Ganz verschwinden werde das grün-braune Eis wohl nicht. Vor allem in Städten rechnet sie weiterhin mit einer Nachfrage. „Ich persönlich liebe es“, fügt die Sprecherin hinzu.
Schmeckt das Eis in Italien besser?
Diese Liebe zum Eis ist auch in Deutschland ungebrochen. Laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) verzehrten die Deutschen 2024 etwa 8,0 bis 8,1 Liter Speiseeis pro Kopf. Dies entspricht umgerechnet etwa 113 bis 116 Kugeln Eis. Trotzdem hält sich hartnäckig das Gefühl, dass es in Italien einfach besser schmeckt. Oder? „Nein“, sagt Carnio und lacht. Das sei Einbildung. Sonne, Strand, Urlaub – all das trägt zur besonderen Atmosphäre bei und verstärkt das Geschmackserlebnis. „Die Rezeptur ist mittlerweile weitverbreitet.“
Ein Unterschied bleibt dennoch: die Art, wie das Eis in die Waffel kommt. Während in Deutschland meist ein Portionierer für perfekte Kugeln sorgt, wird in Italien oft mit einer Art Spachtel gearbeitet. „Die Deutschen haben nun mal alle gerne das Gleiche“, sagt die Sprecherin mit einem Augenzwinkern. Wobei auch in Italien nicht mehr Eis in die Waffel kommt, als es sein muss.
Und wenn Carnio selbst an der Eistheke steht und sich nicht entscheiden kann, greift sie am Ende doch zu einem Klassiker: Stracciatella. „Das ist mein Lieblingseis seit Ewigkeiten“, sagt sie. Und das, obwohl sie über die neuesten Trends Bescheid weiß.
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