Wo steht der Wirtschaftsstandort Konstanz? Das zeigen uns die Zahlen
Fragt man Menschen, was ihnen zum Wirtschaftsstandort Konstanz spontan in den Sinn kommt, fallen Ort die Begriffe Tourismus und Handel. Doch die Auswertung zeigt: Drei von vier Arbeitsplätzen in der Stadt sind in anderen Branchen verortet. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Analyse von zahlreichen Datenquellen zur Wirtschaft in Konstanz. Deutlich wird auch, wo die Stadt die dringendsten Zukunftsaufgaben hat – und welche Hoffnungen man sich in Konstanz besser nicht machen sollte. Hier wesentliche Zahlen, Daten, Fakten und Ableitungen.
Wie viele Betriebe gibt es in der Stadt und wie hat sich ihre Zahl verändert?
In Konstanz gab es 2023 (benutzt werden immer die neuesten belastbaren Zahlen) 4496 Betriebe mit Hauptsitz in Konstanz und Niederlassungen auswärtiger Unternehmen. Das sind zwei Prozent weniger als 2019, aber zwölf Prozent mehr als 2009. Gemessen an der Zahl der Firmen sind die größten Branchen erstens „Handel; Instandhaltung u. Reparatur von Kraftfahrzeugen“ (844), zweitens „Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen“ (553), drittens „Baugewerbe; Grundstücks- und Wohnungswesen“ (476) und viertens Gastgewerbe (459). Die größte Zahl entfällt aber auf „Erbringung von sonstigen Dienstleistungen“ (1469). Dabei ist die Struktur kleinteilig: 86 Prozent der Betriebe haben weniger als zehn Mitarbeiter.
Wie hat sich die Zahl der Arbeitsplätze in Konstanz entwickelt?
Der Wirtschaftsstandort Konstanz ist deutlich gewachsen, wenn man die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten heranzieht. Sie ist von 2010 bis 2024 laut Statistischem Landesamt um 26 Prozent gestiegen auf zuletzt 33.267. Allerdings sagt die Zahl nichts darüber aus, wo genau diese Stellen entstanden sind, wer sie finanziert und wie sich das Gefüge verändert hat.
Wie stark ist die Wirtschaft in Konstanz in der Vergangenheit gewachsen?
Zahlen zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gibt es in Baden-Württemberg nur auf Kreis-Ebene. Laut der von der Stadt herausgegebenen Broschüre „Konstanz in Zahlen 2025“ summieren sich die Umsätze der Konstanzer Unternehmen auf 5,9 Milliarden Euro im Jahr 2022 (plus 24 Prozent gegenüber 2019). Die gleiche Veröffentlichung aus dem Jahr 2010 weist für 2009 einen Umsatz von 4,2 Milliarden Euro aus und für 2004 von 3,0 Milliarden Euro. Damit hätte sich die Wirtschaft in Konstanz binnen 20 Jahren verdoppelt.
Reden wir über die Wirtschaft!
„Innovationen und Wachstumsperspektiven: Wie denken wir Konstanz neu“ ist das nächste SÜDKURIER-Stadtgespräch überschrieben. Es findet statt am Montag, 23. März, im Theater Konstanz. Katrin Klodt-Bußmann, Hauptgeschäftsführerin der IHK, Antje Freyth, Vorsitzende von Unternehmer:innen für Gründer:innen, Volksbank-Vorstandsvorsitzender Thomas Stauber und Bernd Stephan von der städtischen Wirtschaftsförderung diskutieren dabei auch mit dem Publikum. Wer sich einen kostenlosen Platz sichern will, kann sich anmelden unter www.meinSK.de/stadtgespraech2026 oder telefonisch unter 07531 9994444 (ab 7 bis 17 Uhr, Samstag bis 12 Uhr).
Welche sind die wichtigsten Branchen in Konstanz?
Die von der Stadt genutzte amtliche Statistik unterscheidet drei Bereiche: Im produzierenden Gewerbe, wozu die klassische Industrie gehört, arbeiteten demnach im Jahr 2024 rund 30 Prozent weniger Menschen als 2010 – die Zahl sank von 5467 auf 3786. Im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr ging es um fast 32 Prozent nach oben, von 7143 auf 9424 Personen. Den größten Zuwachs erzielte der Bereich Sonstige Dienstleistungen mit einem Plus von 45 Prozent, von 13.762 auf 20.007 Beschäftigte. Von den 33.267 Beschäftigten sind zwölf Prozent dem produzierenden Gewerbe, 28 Prozent dem Handel, Gastgewerbe und Verkehr sowie 60 Prozent den sonstigen Dienstleistungen zuzuordnen.
Was weiß man über die größten Arbeitgeber in der Stadt?
Offizielle Zahlen gibt es hier nicht. Eine große Rolle spielen öffentliche Arbeitgeber. Universität (über 2000 Mitarbeitende), Stadt (laut Haushaltsplan rund 1100, mit Tochterbetrieben etwa 1500), Gesundheitsverbund (etwa 1000), Stadtwerke inklusive Bodensee-Schiffsbetriebe (laut Geschäftsbericht knapp 1000) und Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (etwa 400), dazu kommen Kreis- und Landesbehörden.
Zu den größten gewerblichen Arbeitgebern gehören Körber (noch etwa 500 nach jüngsten Zahlen des Betriebsrats), Ingun, der SÜDKURIER (rund 800, mehr als die Hälfte davon in Konstanz), Edeka Baur, Seitenbau (280) und die Insel Mainau (240). Die Stadtverwaltung nennt in „Konstanz in Zahlen 2025“ dazu eine interessante Zahl: Nur zwölf Betriebe in der Stadt haben demnach überhaupt ab 250 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.
Wie ist die Wirtschaftskraft von Konstanz im Vergleich zu anderen Kommunen?
Für Vergleiche zwischen Wirtschaftsstandorten werden oft die Gewerbesteuereinnahmen herangezogen – sie bilden den wirtschaftlichen Erfolg der jeweils ansässigen Unternehmen näherungsweise ab. Danach landet 2026 Konstanz mit erwarteten 50 Millionen Euro innerhalb einer Vergleichsgruppe ähnlich großer Städte (Tübingen, Esslingen, Ludwigsburg und Villingen-Schwenningen) pro Einwohner im oberen Mittelfeld.
Wie arm oder reich sind die Konstanzer?
Bei der Konstanzer Bürgerbefragung werden Daten zum Einkommen (nicht aber zum Vermögen) erhoben, allerdings ist die Stichprobe nicht perfekt repräsentativ. Die Forscher berechnen ein sogenanntes Haushaltsäquivalenzeinkommen. 2024 lag der Mittelwert, Studierende herausgerechnet, bei 4519 Euro, das wäre deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Eine Auswertung von Zeit Online hat 2025 für Konstanz/Allensbach/Reichenau ein mittleres Vollzeit-Monatsgehalt von knapp über 4000 Euro ergeben, was nur minimal über dem Bundesschnitt liegt. Bei Privat- und Firmeninsolvenzen liegt der Kreis Konstanz unter dem Landesmittel.
Wo liegen die größten Zukunftschancen für den Wirtschaftsstandort?
Nach Einschätzung von Branchennetzwerken und anderen Fachleuten hat Konstanz erhebliches Potenzial bei unternehmens- und wissenschaftsnahen Dienstleistungen, bei Forschung und Entwicklung inklusive Fertigung von Prototypen, im Bereich Tourismus sowie in Handel und Handwerk. Eine engere Vernetzung mit den Hochschulen kann demnach helfen, dass Existenzgründungen auch tatsächlich hier vor Ort stattfinden.
Welche sind die größten Hürden für wirtschaftliches Wachstum in Konstanz?
In Umfragen, im vom Rat beschlossenen aktuellen Handlungsprogramm Wirtschaft wie auch in Gesprächen mit Wirtschaftsexperten werden immer wieder genannt: Verfügbarkeit von Gewerbeflächen sowie von Wohnraum für Mitarbeitende auch mit mittleren und geringeren Einkommen. Hinzu kommt die schlechte Erreichbarkeit aus dem deutschen Umland mit der Bahn.
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