„Dachten, das geht nicht“: Trotzdem steht jetzt ein zerbrochener Spiegel auf der Bregenzer Seebühne
Spiegelglatt ist an diesem herrlichen Frühlingstag nicht nur der Bodensee. Hoch ragt auch eine Spiegelwand aus dem Wasser. Sie ist das neue Bühnenbild für das Spiel auf dem See der Bregenzer Festspiele. Giuseppe Verdis „La Traviata“ hat hier im Juli Premiere, nun war Bühnenrichtfest. Das Besondere an dem riesigen Spiegel: Er ist zerbrochen. Aus 86 Splittern besteht er, etwa die Hälfte von ihnen lassen sich bewegen. Denn wie immer bei den Bregenzer Festspielen ist die Bühne nicht bloß eine statische Spielfläche, sondern selbst Akteur. Sie bewegt sich, dient als Projektionsfläche für Videos oder bietet Plattformen für die Auftritte der Sänger und Sängerinnen.
Die Idee mit dem Spiegel kam von dem Regieteam Damiano Michieletto (Regie) und Paolo Fantin (Bühne). Er steht symbolisch für die Zerbrechlichkeit der Hauptfigur Violetta, einer Kurtisane, die letztlich an der Doppelmoral der Gesellschaft zugrunde geht. Die erste Reaktion der Intendantin Lilli Paasikivi auf die Idee des Spiegels auf dem See war: „Oh mein Gott, ich möchte doch keinen Waldbrand verursachen“, erzählt sie beim Richtfest. Und auch Technikdirektor Wolfgang Urststadt berichtet: „Zunächst dachten wir, Spiegel – das geht nicht“. Jedoch „geht nicht“ gibt es erklärtermaßen nicht bei den Bregenzer Festspielen. Es musste eine Lösung her.
Bregenzer Bühne setzt auf beeindruckendes Spiegeldesign
Die Bregenzer Bühne als Brennglas – dazu ist es dann natürlich nicht gekommen. Die Splitter bestehen tatsächlich aus Holzplatten und sind so beschichtet und bemalt, dass sie bis zu den Bruchkanten aussehen wie eine grünliche Spiegelfläche. Der größte Splitter misst übrigens 12 Meter in der Länge und zweieinhalb Meter in der Breite, der kleinste nur 40 mal 20 Zentimeter. Für Bühnenbildner Fantin spielt sich die gesamte Oper in dem Spiegel ab: „Es ist ein Spiegel, der aus Violettas Hand in den See fällt und zerbricht“. Dieser eine Moment wird zeitlupenartig auf zwei Stunden gedehnt. Es ist ein Blick in Violettas Seele, die zerbricht, als sie erkennen muss, dass die gesellschaftlichen Umstände ihr ein bürgerliches Leben mit ihrem Geliebten Alfredo verwehren.
Bühne der Bregenzer Festspiele wird zur Party-Location mit Infinity-Pool
Regisseur Michieletto verlegt die ursprünglich im Paris Mitte des 19. Jahrhunderts spielende Handlung in die rauschhaften Roaring Twenties - eine Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit, zugleich aber auch des Exzesses und des Lebenshungers. So wird die Bühne auch zur Partylocation und das große Wasserbecken vor der Bühne, das vor zwei Jahren als Sumpfgebiet des „Freischütz“ geschaffen wurde, soll nun zum Infinity-Pool werden. Am 22. Juli ist Premiere. Dass schon jetzt sämtliche Aufführungen für 2026 ausverkauft sind, ist für Intendantin Paasikivi ein Zeichen, dass sie die mit der beliebten Verdi-Oper die richtige Wahl getroffen hat: „‘La Traviata‘ und Bregenz, das ist ein Match made in Heaven“.
Die Premiere von Giuseppe Verdis „La traviata“ findet am 22. Juli um 21.15 Uhr statt. Weitere Aufführungen gibt es bis zum 23. August. Die Vorstellungen sind bereits alle ausverkauft. Die Tickets für den Sommer 2027 sollen nach der letzten Vorstellung in diesem Jahr in den Verkauf gehen. Infos unter: www.bregenzerfestspiele.com
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