Zwei Jungen und die Liebe
20. März 2026 – 2. Nissan 5786
AboAngebote PrintAbo-Service
AboAngebote PrintAbo-Service
Zwei Jungen und die Liebe
Julya Rabinowich erzählt in »Mo & Moritz« eindringlich, aber auch plakativ von einer Beziehung zwischen einem Juden und einem Muslim
Der neue Jugendroman Mo & Moritz der Wiener Autorin Julya Rabinowich wirkt wie am Reißbrett entworfen, was beim Lesen erst einmal die Brauen nach oben wandern lässt. Seine beiden Protagonisten, zwei Jungen um die 15, kommen aus gespiegelten Gegenwelten. Sie bewegen sich entlang einer zunehmend spannenden, fast Thriller-mäßigen Storyline, die sitzt.
Da ist also Mo, eigentlich Mojad. Er entstammt einer aus einem Krieg geflüchteten, traumatisierten muslimischen Familie, die im fremden Wien zurechtzukommen versucht. Und da ist Mo, eigentlich Moritz, Sohn einer gutbürgerlichen jüdischen Familie, die in einer schicken Altbauwohnung lebt. Traumata (sehr anderer Art) gibt es natürlich auch hier, einmal mehr nach dem 7. Oktober 2023.
Mojad, aus dessen Perspektive erzählt wird, fliegt von der Schule
Mojad, aus dessen Perspektive erzählt wird, fliegt von der Schule. Er beginnt eine Lehre in einem Friseursalon. Moritz geht aufs Gymnasium. Im Wohnzimmer steht ein Klavier, »der Elefant im Raum«. Es gehörte der ermordeten Urgroßmutter. Mo und Mo treffen (dem Opernball sei Dank) aufeinander. Die zwei verlieben sich (und da ist ein bisschen sehr viel »Benommenheit«, »Fieberwahn« etc.). Am Ende werden Mo und Mo am Meer sitzen und zusammen eine kleine glückliche Zukunft planen. Ein hoffnungsvoller Schluss, auf den jugendliche Leser ein Recht haben.
Die Konstruktion von Mo & Moritz hat etwas so Plakatives wie Eindringliches, verleiht der Geschichte etwas so Formelhaftes wie Universales, ist ein Wagnis. Es gibt immer wieder Szenen voll furchtbarer Gewalt. Mojads Bruder verübt antisemitische Angriffe, radikalisiert sich und plant einen Anschlag auf ein Taylor-Swift-Konzert in Wien.
Auszeichnung durch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur als Jugendbuch des Monats
Auch der Vater, selbst Gewaltopfer, trägt Judenhass und Homophobie in sich. Eine Zustandsbeschreibung unterm Brennglas. Andererseits demonstriert die Ballung, welchen Druck Mojad benötigt, um sich von seiner Familie lösen zu können. Und auch Moritz beschließt, seine Mutter, die er »so lange trösten« wollte, bis er »selbst Albträume bekam«, sowie den dem Alkohol zugeneigten Schriftstellervater erst einmal sich selbst zu überlassen.
Figuren und Handlung werden von einer allwissenden Erzählerin begleitet, die sich ab und an (und ein wenig tümelnd) mit resümierenden Sätzen einschaltet. Am Ende siegt der Wunsch der beiden Jungen, nach vorn zu schauen. Kaum erschienen, ist Mo & Moritz von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur als Jugendbuch des Monats ausgezeichnet worden.
Julya Rabinowich: »Mo & Moritz«. Ab 14 Jahren, Hanser, München 2026, 224 S., 17 €
Nachdenken über Israel
Ist der jüdische Staat als ein Teil Europas oder des Nahen Ostens zu verstehen? Der Autor gibt in seinem Buch profunde und überraschende Antworten
von Ralf Balke 20.03.2026
»Toxibaby« erzählt von einer toxischen deutsch-jüdischen Beziehung
von Katrin Diehl 20.03.2026
In einem tieftraurigen und wunderschönen Erinnerungsbuch nimmt die Schriftstellerin Abschied von ihrem Mann Paul Auster, der 2024 an Krebs starb
von Katrin Richter 20.03.2026
Mehrtürer statt Märtyrer
Im Langgedicht »hallo niemand« unternimmt das lyrische Ich eine »judissee« und gewinnt vielleicht sogar die Kanzlerwahl gegen Alice Weidel
von Ayala Goldmann 20.03.2026
Ausstellung in Osnabrück beleuchtet Antisemitismus
2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück zum 600. Mal. Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier an diese frühe Phase jüdischer Geschichte. Auch die Wurzeln des Antisemitismus werden sichtbar
Ein Marrane als Leibarzt
Mit seinem Roman »Der Jude der Kaiserin« zeigt sich der österreichische Autor als Meister des historischen Genres
von Alexander Kluy 19.03.2026
Eurovision Song Contest
ORF will ESC-Sicherheitskonzept nicht verschärfen
Auch trotz des Krieges gegen den Iran sei strengere Sicherheitsauflagen nicht nötig, weil das Konzept bereits auf die Weltlage ausgelegt sei
Habermas, Israel und die Juden
Eine kritische Würdigung
von Frederek Musall 19.03.2026
Drei Chöre, 100 Synagogen und ein Unbezähmbarer: Termine und TV-Tipps
Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. bis zum 26. März
+49 30 275833 0 Mo-Do 9-17 Uhr Fr 9-14 Uhrverlag@juedische-allgemeine.deredaktion@juedische-allgemeine.de
© 2026 Jüdische Allgemeine Impressum/Datenschutzerklärung/AGB/Privatsphäre
