menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Zwei Jungen und die Liebe

12 0
yesterday

20. März 2026 – 2. Nissan 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

Zwei Jungen und die Liebe

Julya Rabinowich erzählt in »Mo & Moritz« eindringlich, aber auch plakativ von einer Beziehung zwischen einem Juden und einem Muslim

Der neue Jugendroman Mo & Moritz der Wiener Autorin Julya Rabinowich wirkt wie am Reißbrett entworfen, was beim Lesen erst einmal die Brauen nach oben wandern lässt. Seine beiden Protagonisten, zwei Jungen um die 15, kommen aus gespiegelten Gegenwelten. Sie bewegen sich entlang einer zunehmend spannenden, fast Thriller-mäßigen Storyline, die sitzt.

Da ist also Mo, eigentlich Mojad. Er entstammt einer aus einem Krieg geflüchteten, traumatisierten muslimischen Familie, die im fremden Wien zurechtzukommen versucht. Und da ist Mo, eigentlich Moritz, Sohn einer gutbürgerlichen jüdischen Familie, die in einer schicken Altbauwohnung lebt. Traumata (sehr anderer Art) gibt es natürlich auch hier, einmal mehr nach dem 7. Oktober 2023.

Mojad, aus dessen Perspektive erzählt wird, fliegt von der Schule

Mojad, aus dessen Perspektive erzählt wird, fliegt von der Schule. Er beginnt eine Lehre in einem Friseursalon. Moritz geht aufs Gymnasium. Im Wohnzimmer steht ein Klavier, »der Elefant im Raum«. Es gehörte der ermordeten Urgroßmutter. Mo und Mo treffen (dem Opernball sei Dank) aufeinander. Die zwei verlieben sich (und da ist ein bisschen sehr viel »Benommenheit«, »Fieberwahn« etc.). Am Ende werden Mo und Mo am Meer sitzen und zusammen eine kleine glückliche Zukunft planen. Ein hoffnungsvoller Schluss, auf den jugendliche Leser ein Recht haben.

Die Konstruktion von Mo & Moritz hat etwas so Plakatives wie Eindringliches, verleiht der Geschichte etwas so Formelhaftes wie Universales, ist ein Wagnis. Es gibt immer wieder Szenen voll furchtbarer Gewalt. Mojads Bruder verübt antisemitische Angriffe, radikalisiert sich und plant einen Anschlag auf ein Taylor-Swift-Konzert in Wien.

Auszeichnung durch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur als Jugendbuch des Monats

Auch der Vater, selbst Gewaltopfer, trägt Judenhass und Homophobie in sich. Eine Zustandsbeschreibung unterm Brennglas. Andererseits demonstriert die Ballung, welchen Druck Mojad benötigt, um sich von seiner Familie lösen zu können. Und auch Moritz beschließt, seine Mutter, die er »so lange trösten« wollte, bis er »selbst Albträume bekam«, sowie den dem Alkohol zugeneigten Schriftstellervater erst einmal sich selbst zu überlassen.

Figuren und Handlung werden von einer allwissenden Erzählerin begleitet, die sich ab und an (und ein wenig tümelnd) mit resümierenden Sätzen einschaltet. Am Ende siegt der Wunsch der beiden Jungen, nach vorn zu schauen. Kaum erschienen, ist Mo & Moritz von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur als Jugendbuch des Monats ausgezeichnet worden.

Julya Rabinowich: »Mo & Moritz«. Ab 14 Jahren, Hanser, München 2026, 224 S., 17 €

Nachdenken über Israel

Ist der jüdische Staat als ein Teil Europas oder des Nahen Ostens zu verstehen? Der Autor gibt in seinem Buch profunde und überraschende Antworten

von Ralf Balke  20.03.2026

»Toxibaby« erzählt von einer toxischen deutsch-jüdischen Beziehung

von Katrin Diehl  20.03.2026

In einem tieftraurigen und wunderschönen Erinnerungsbuch nimmt die Schriftstellerin Abschied von ihrem Mann Paul Auster, der 2024 an Krebs starb

von Katrin Richter  20.03.2026

Mehrtürer statt Märtyrer

Im Langgedicht »hallo niemand« unternimmt das lyrische Ich eine »judissee« und gewinnt vielleicht sogar die Kanzlerwahl gegen Alice Weidel

von Ayala Goldmann  20.03.2026

Ausstellung in Osnabrück beleuchtet Antisemitismus

2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde in Osnabrück zum 600. Mal. Mit einer Ausstellung erinnert das Museumsquartier an diese frühe Phase jüdischer Geschichte. Auch die Wurzeln des Antisemitismus werden sichtbar

Ein Marrane als Leibarzt

Mit seinem Roman »Der Jude der Kaiserin« zeigt sich der österreichische Autor als Meister des historischen Genres

von Alexander Kluy  19.03.2026

Eurovision Song Contest

ORF will ESC-Sicherheitskonzept nicht verschärfen

Auch trotz des Krieges gegen den Iran sei strengere Sicherheitsauflagen nicht nötig, weil das Konzept bereits auf die Weltlage ausgelegt sei

Habermas, Israel und die Juden

Eine kritische Würdigung

von Frederek Musall  19.03.2026

Drei Chöre, 100 Synagogen und ein Unbezähmbarer: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. bis zum 26. März

+49 30 275833 0 Mo-Do 9-17 Uhr Fr 9-14 Uhrverlag@juedische-allgemeine.deredaktion@juedische-allgemeine.de

© 2026 Jüdische Allgemeine Impressum/Datenschutzerklärung/AGB/Privatsphäre


© Juedische Allgemeine