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Mit einem Rückzug ins Private entmachten sich Frauen freiwillig selbst

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08.03.2026

Eine Routineveranstaltung“, „zu stark auf Symbolik reduziert“, „die immergleichen Themen“: Es soll ja durchaus Menschen geben, die beim Wort „Weltfrauentag“ schon gewisse Ermüdungserscheinungen zeigen. Völlig verständlich. Der Tag wird mittlerweile für alles Mögliche ge- und missbraucht, selten fallen der Werbe- und PR-Branche so viele unsägliche Aktionen ein wie rund um den 8. März.

Die Überbespielung führt am Ende leider dazu, dass auch die vielen wichtigen Themen, die an diesem Tag diskutiert werden, in der Masse untergehen und wir uns übersättigt und gelangweilt wieder anderem zuwenden. Die vielen Herausforderungen für Frauen sind derweil aber keineswegs überwunden. Im Gegenteil – sie sind vielerorts gerade dabei, sich wieder massiv zu verschärfen.

In dieser Dynamik spielt die angespannte geopolitische Lage eine nicht zu unterschätzende Rolle. Weil, vereinfacht gesagt, schlechte Nachrichten schlechte Laune machen, wird in den sozialen Medien Frauen zunehmend der bewusste Rückzug ins Private nahegelegt. Innenraumdekoration, statt über Kriege nachzudenken, Muffins backen, statt den Energiepreisen beim Wachsen zuzusehen. Das Erfüllen traditioneller Rollenbilder, damit man sich in einer Welt, in der alles komplizierter wird, zumindest zu Hause nicht neu orientieren muss.

Zunächst klingt das einigermaßen harmlos, die Männer finden es ohnehin recht angenehm und auf Instagram und Pinterest sieht es auch noch recht hübsch aus. Wir sehen die perfekte Käseplatte, aber nicht die gesellschaftspolitische Resignation, die dahintersteht.

Doch die Balance zwischen diesem übertrieben häuslichen Leben, beruflichen Ambitionen und damit ökonomischer Unabhängigkeit ist nur schwer zu halten. Erstens kommt man aus dem Hausfrauen-Dasein kaum wieder heraus, wenn es einmal zur Gewohnheit für die ganze Familie geworden ist. Zweitens haben die Social-Media-Influencerinnen noch nie erklärt, wie sie später einmal ihre Pension finanzieren wollen. Dass der Ehemann sich zwischenzeitlich verabschieden könnte, kommt in der perfekten Instagram-Welt sowieso nicht infrage. Immerhin hat man ja immer gut für ihn gekocht.

»Einmal erreichte Gleichstellung ist kein Selbstläufer, sondern ein Prozess, an dem es immer wieder zu arbeiten gilt.«

»Einmal erreichte Gleichstellung ist kein Selbstläufer, sondern ein Prozess, an dem es immer wieder zu arbeiten gilt.«

Dieser freiwilligen Selbstentmachtung von Frauen zuzusehen, ist angesichts der aktuellen Weltlage auch darüber hinaus bitter. Der Konflikt im Iran dient als ein Argument mehr, den Kopf in den Sand zu stecken und lieber zu backen, als sich über das Weltgeschehen zu informieren. Dabei zeigt doch gerade der Iran exemplarisch, dass Freiheit und politische Teilhabe für Frauen alles andere als selbstverständlich sind. Seine Geschichte macht auch mehr als alles andere deutlich, dass einmal erreichte Gleichstellung kein Selbstläufer ist, sondern ein Prozess, an dem es immer wieder zu arbeiten gilt ­– manchmal entgegen allen staatlichen und religiösen Strömungen.

Das trifft auch auf Österreich zu. In den vergangenen Jahrzehnten wurde erkämpft, dass Frauen keine Unterschrift des Ehemannes mehr brauchen, um arbeiten zu dürfen, innereheliche Vergewaltigung strafbar ist, Frauen alle politischen Ämter übernehmen können und es mehr Bewusstsein für Väterbeteiligung gibt. Doch es wäre es falsch, deshalb nun die Hände in den Schoß zu legen. Das würde auch die Arbeit jener unterminieren, die sich gegen Unterdrückung und strukturelle Benachteiligung gestellt haben.

Wenn der Weltfrauentag also nur als Erinnerung gut ist, uns nicht auszuruhen, dann hat er seinen Zweck schon erfüllt.

E-Mails an: elisabeth.hofer@diepresse.obfuscationcom

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