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Paul Simon

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24.04.2026

Die zweite Hälfte des des 20. Jahrnhunderts förderte viele namhafte musikalische Duos zu Tage. Doch kein einziges Zweiergespann erreichte im Kontext populärer Klänge auch nur entfernt den Legendenstatus vom Simon & Garfunkel. Jedes Kind, jeder Greis kennt ihre Hits wie „Mrs. Robinson“, die sich unauslöschlich ins kollektive Musikgedächtnis des Planeten dübelten. Höhepunkt ihres Schaffens markiert ihre fünfte und letzte LP – „Bridge Over Troubled Water“ aus dem Jahr 1970.

Das Titelstück verkörpert auf knapp fünf Minuten jene herausragend emotionale Kraft, die wirklich jeden Hörer mitreißen kann. Das ist keine Übertreibung. Selbst Menschen, die alles andere als musikaffin sind, geraten beim Hören schon nach wenigen Sekunden in den nahezu magischen Bann dieser Killerballade. Von Elvis Presley über Robbie Williams bis hin zu Dua Lipa versuchten sich Dutzende Künstler an einer eigenen Interpretation. Doch keine einzige dieser oft durchaus hübschen Versionen gelangt in Punkto Charisma und Intensität auch nur entfernt in die Nähe des Originals.

Dabei klingt die Entstehungsgeschichte – wie so oft bei musikalischen Sternstunden – vergleichsweise unspektakulär. Paul Simon: „Die Idee kam urplötzlich aus dem Nichts. Von einer Minute zur anderen war es einfach da. Das war ein schockierender Moment für mich. Ich spürte, dass dieses Stück einfach weit besser ist, als ich normalerweise schreibe.“ Mit dieser Einschätzung sollte er Recht behalten. Eine weitere Besonderheit liegt in der Umsetzung. Statt ihrer gewohnt schlichten Art des Arrangierens, gehen Simon & Garfunkel hier einen anderen Weg und betten das hauchzarte Pianothema in eine sich langsam aufbauende Opulenz ein, deren Klangbild sich hörbar an Phil Spectors berühmter Wall of Sound orientiert.

Bei so einem in jeder Hinsicht ultimativen Songmonster besteht oft die Gefahr, dass der Rest des zugehörigen Albums daneben kläglich verblasst; erst recht, wenn man die Nummer als Opener bringt. An diesem Punkt bleiben die beiden New Yorker fast überirdisch souverän. Auch der folgende Track „El Condor Pasa“ mausert sich zum weltweit ewigen Evergreen. Der Song wurde bereits 1913 vom peruanischen Komponisten Carlos Alomia Robles geschrieben. Simon begegnete der Melodie erstmals in Paris, als er eine Interpretation der peruanischen Folkband Los Incas vernahm. Fasziniert erdachte er dazu einen eigenen, englischen Text und schlug die Idee Art Garfunkel vor, der sich ähnlich begeistert zeigte. Sympathischerweise revanchierten beide sich bei Los Incas für die Inspiration, luden sie zu den Sessions und überließen ihnen das Einspielen des instrumentalen Teils. Später half Simon ihnen im Musikbiz und produzierte ihr Debütalbum für den amerikanischen Markt. Trotz allem rangiert das schöne Lied bei vielen Hörern regelmäßig auf den vordersten Rängen, wenn es gilt, den nervigsten Ohrwurm aller Zeiten zu benennen. Letzteres liegt gleichwohl nicht an der wundervollen Melodie, sondern an flächendeckend gruselig verkitschten Schmalspurversionen gängiger Panflötenterroristen, die man regelmäßig vor Einkaufszentren antrifft. Von jenen Horrorclowns of Ethnogroove sollte man sich nicht den Spaß an diesem Stückchen musikhistorisch bedeutender Weltmusik abnehmen lassen.

Noch mehr zeitlose Klassiker?........

© Die Kolumnisten