Weltfrauentag
Ich wohne in Bayern und heute ist in Bayern Kommunalwahl. Als ich zum ersten Mal von der Festlegung des Wahltages auf den 8. März erfuhr, hat es in mir gleich gezuckt und eine innere Stimme verkündete würdevoll und bestimmt: Internationaler Frauentag. Ich versuchte, darüber hinwegzuhören, weil: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Aber es passiert jedes Mal, wenn ich von dem Termin höre. Und das ist meiner Sozialisation in einem – haha – sozialistischen Land geschuldet.
Im Westen etwas Neues
Denn: Als ich gestern jemandem sagte, ich würde eine Kolumne zu diesem speziellen Tag schreiben, kam Schweigen vom anderen Ende der Leitung und ein dann verunsichertes: „Wieso speziell?“ Ich sagte nochmal: „Achter März?“ – und wieder kam betretenes Schweigen. Also gibt es diese Verkündungsstimme nicht in jedem drin, die bei „Achter März“ sofort ansagt: „Internationaler Frauentag“. Bei mir waren es 16 Jahre bis 1989, davon fast alle in irgendwelchen Einrichtungen wie Schule oder Kindergarten, in denen man etwas für Mama bastelte, der Lehrerin Blumen schenkte und rote Nelken besonders häufig vergeben wurden. Da unser Haushalt nur aus weiblichen Mitgliedern (Mama, Oma und ich) bestand, kann ich nicht berichten, ob dieser Tag auch im Privaten zwischen Mann und Frau gefeiert wurde. Aber da draußen, öffentlich? Da ausgiebigst.
Ich bin jetzt nicht sicher, ob Markus Söder, unser bayerischer, super-maskuliner CSU-Wurstesser, bewusst diesen Tag aussuchte, um seine Parteigenossen – wie er hofft – wählen oder wiederwählen zu lassen. Aber ein bisschen diskrepant ist es schon, dass ausgerechnet die tiefkonservative Partei ihre „Herdprämie“ so nach und nach fallen und jetzt ganz streichen ließ, sich am Frauentag wählen lassen will. Allerdings: Es ist nicht alles schwarz-weiß – immerhin soll es einen kräftigen Schub für die bayerischen Kommunen aus München geben, damit diese das Kinderbetreuungsangebot ausbauen können. Löblich, dass ausgerechnet etwas so Wichtiges, so weit vor dem Wahltermin entschieden wurde, an dem man es hätte für sich nutzen können Aber da hätte man vielleicht zugeben müssen, dass der Alleingang gegen die große Koalition in Berlin, was das Bild der arbeitenden Mutter anbelangt, irgendwo doch falsch war? Somit gehe ich davon aus, dass viele Bayern Bahnhof verstehen, wenn man ihnen in die Augen sieht und sagt: „Achter März“. Auch politisch ausgefuchste Macher. Männliche sowieso.
Rote Nelke und sonst?
Meinen westdeutschen und nachsozialistisch sozialisierten Lesern........
