Warum Berlins Wohnungskrise zur Gefahr für die gesamte Wirtschaft wird
Schon für sich genommen ist Deutschlands Wohnungsmangel ein Desaster. Doch nun zeigt sich, dass die Baukrise kein isoliertes Problem bleiben dürfte. Jüngste Entwicklungen zeigen: Sie könnte in Großstädten einen Dominoeffekt auslösen, der auch die letzten halbwegs gesunden Sparten der Wirtschaft zum Erliegen bringt. Berlin trifft diese Krise besonders hart: Nirgendwo sonst wird derzeit so wenig gebaut, nirgendwo ist Wohnraum so knapp. Nach aktuellen Studien fehlen in der Hauptstadt rund 56.000 Wohnungen, die nötig wären, um Angebot und Nachfrage annähernd auszugleichen. Gleichzeitig meldet der Senat, dass trotz steigender Einwohnerzahlen die fertiggestellten Wohnungen pro Jahr nur im niedrigen fünfstelligen Bereich liegen – etwa 14.000 bis 15.000 in den Jahren 2024/2025, weit unter dem politischen Ziel von 20.000 Wohnungen jährlich und deutlich unter dem, was Ökonomen für ein funktionierendes Marktgleichgewicht veranschlagen.
Gebaut wird nur im High-End-Bereich
Hohe Baukosten und Bodenpreise sowie steigende Zinsen haben Wohnungsneubauten sowie Sanierungsvorhaben auf lange Sicht unrentabel gemacht. Wenn überhaupt gebaut wird, dann nur noch im High-End-Bereich, gemeint sind Luxuswohnungen, auch bekannt als „Trophy-Objekte“.
Im unteren und mittleren Preissegment geht die Bautätigkeit gegen null – trotz Bauturbo und Schneller-bauen-Gesetz. Gleichzeitig steigen die technischen und energetischen Anforderungen an den Gebäudebestand und Vermieter müssen wegen hoher Instandhaltungskosten immer tiefer in die eigene Tasche greifen. So werden dem Markt immer weniger Wohnungen zugeführt – und die Mieten steigen.
Wohnungskrise in Berlin eskaliert – Vermieter rechnen mit Bauministerin ab
„Bauen in Berlin rechnet sich einfach nicht“: Doch was kann den Wohnungsmarkt noch retten?
Was als soziale Frage begann, ist längst zu einer wirtschaftlichen Schlüsselfrage geworden. Wohnraum ist Infrastruktur wie Energie- oder Verkehrsnetze. Ohne Wohnungen kommen keine Fachkräfte, ohne Fachkräfte keine Investitionen, ohne Investitionen kein Wachstum.
Der Immobilienökonom Michael Voigtländer vom IW Köln warnt seit Jahren, „dass die Angebotsseite sträflich vernachlässigt wurde und Regulierung allein keinen Quadratmeter schafft“. Auch Konstantin Kholodilin vom DIW Berlin betont, steigende Mieten wirkten wie eine Umverteilung von Konsumspielräumen. „Sie dämpfen die Kaufkraft und wirken damit auch makroökonomisch.“
Wie ist es möglich, dass die größte Volkswirtschaft der Europäischen Union an zentralen Fragen der Behausung und des Wohnungsbaus kläglich scheitert? Und wie kann es sein, dass in Berlin – der drittgrößten Metropole Europas und Wiege der Moderne – Menschen wegen hoher Baukosten und Mieten in die Armut getrieben werden?
Mehr Vorschläge als Wohnungen
In regelmäßigen Abständen melden sich Politiker aus dem linken Spektrum mit Vorschlägen zu Wort. Während Bundesbauministerin Verena Hubertz von der SPD beschleunigte Verfahren vorschlägt und Sonderregeln ins Spiel bringt, erklärt jetzt Justizministerin Stefanie Hubig, ebenfalls Sozialdemokratin, Mieter mit strengeren Vorgaben vor weiter steigenden Preisen schützen zu wollen. Die Linke ist da ganz konsequent: Sie fordert seit Jahren ganz einfach die Enteignung von Wohnungsbaugesellschaften.
Vergangene Woche erst präsentierte die Justizministerin ihren Plan, mit Regeln, die spürbar ins Portemonnaie greifen sollen. Möblierte Wohnungen sollen nicht länger als Grauzone funktionieren: Vermieter müssten offenlegen, um wieviel sie die Miete wegen der Möbel erhöhen. Für eine vollständig möblierte Wohnung schlägt das Ministerium eine Pauschale von fünf Prozent der Nettokaltmiete vor. Bei Indexmieten soll eine........
