BSW-Spitzenkandidat Alexander King im Interview: „Die Brandmauer ist absurd“
Nach seiner Gründung im Januar 2024 galt das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) als politisches Projekt mit erheblichem Mobilisierungspotenzial. Bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, im Herbst 2024, erzielte die Partei aus dem Stand zweistellige Ergebnisse. In Thüringen ist das BSW seit Dezember 2024 Teil der sogenannten Brombeer-Koalition aus CDU, SPD und BSW. Auch in Brandenburg übernahm die Partei zunächst Regierungsverantwortung an der Seite der SPD, bis die Koalition Anfang 2026 aufgrund interner Streitigkeiten beim BSW zerbrach.
Die anfängliche Euphorie um das Bündnis Sahra Wagenknecht scheint spätestens seit dem verpassten Einzug in den Deutschen Bundestag verschwunden zu sein. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung derzeit in Berlin: In aktuellen Umfragen liegt die Partei nur bei knapp über 3 Prozent. Ein Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus? Derzeit ausgeschlossen. Könnte es daran liegen, dass das BSW im Wahlkampf auf die Wohnungspolitik setzt und von Wählern als Linkspartei 2.0 bezeichnet wird?
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Sahra Wagenknecht: Meine Alternative zur Brandmauer
Herr King, das BSW ist mit enormem medialen Rückenwind gestartet. Inzwischen fallen die Umfragewerte, der Einzug in den Bundestag wurde knapp verfehlt, in Brandenburg ist die Koalition zerbrochen. Ist das Projekt BSW in seiner jetzigen Form gescheitert, bevor es sich überhaupt institutionell verankern konnte?
Natürlich ist das BSW nicht gescheitert. Ich habe aber auch nie zu denjenigen gehört, die glaubten, man gründet eine Partei und schwebt dann von Erfolg zu Erfolg bis in alle Ewigkeit. Für mich war von Anfang an klar, dass nach den furiosen Anfangserfolgen auch eine Phase kommen würde, in der es schwieriger wird, in der man nachjustieren muss und auch Niederlagen erlebt. Das kennt jede Partei.
Mit Blick auf Berlin sieht es für das BSW aber auch nicht gut aus. Aktuellen Umfragen zufolge liegt Ihre Partei bei etwas über 3 Prozent. Was ist Ihre Zielmarke für Berlin?
Unser klares Ziel ist der Einzug ins Abgeordnetenhaus. Dafür müssen wir natürlich die fünf Prozent erreichen. Gleichzeitig wollen wir auch in alle Bezirksverordnetenversammlungen einziehen. Dort liegt die Schwelle bei drei Prozent. Unser Anspruch ist, überall vertreten zu sein. Ich orientiere mich lieber an realen Wahlergebnissen und nicht an Umfragen.
Bei der Bundestagswahl und der Europawahl haben wir in Berlin jeweils rund 130.000 Stimmen erhalten. Das ist das Potenzial, auf das wir aufbauen können. Vor diesem Hintergrund würde ich sagen: Alles zwischen fünf und sieben Prozent ist realistisch und unser Zielkorridor.
Auch nach zwei Jahren Parteigründung ist ein Hauptkritikpunkt der Wähler die unklare Programmatik der Partei. Selbst Sahra Wagenknecht hat im Interview mit der Berliner Zeitung eingeräumt, dass man deutlicher machen müsse, wofür das BSW steht. Warum hat Ihre Partei das bis heute versäumt?
Ich würde nicht sagen, dass wir etwas versäumt haben. Wir sind noch im Aufbau und werben weiterhin um Unterstützung. In Deutschland ist es schwierig, eine neue Partei zu etablieren. Organisatorisch, aber auch politisch. Unser Parteiensystem ist trotz aller Unzufriedenheit sehr stabil. Man kann sich die Grünen oder die AfD anschauen: Beide hatten am Anfang große Schwierigkeiten. Die Grünen erzielten bei der ersten Bundestagswahl nach ihrer Gründung 1,5 Prozent, die AfD stand zeitweise bei drei Prozent. Was ich sagen will: Es braucht Zeit, bis sich eine neue politische Kraft etabliert.
Und trotzdem stellen sich die Wähler die Frage, wofür das BSW inhaltlich steht ...
Wir sprechen Probleme an, die von den anderen Parteien nicht gelöst werden. Ein Beispiel ist die aus meiner Sicht zunehmend prekäre Lage der Meinungsfreiheit. Das ist ein Thema, das wir klar benennen. Auch in der Friedenspolitik haben nur wir ein klares Profil. Und die Aufarbeitung der Corona-Zeit ist ein weiteres Thema, das in Berlin praktisch niemand außer uns ernsthaft bearbeitet.
Wenn Sie schon Berlin ansprechen: Wofür stehen Sie persönlich? Immerhin sind Sie BSW-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im kommenden September.
Ein Schwerpunkt........
