Gesundheit am Finger: Was taugen smarte Ringe von Oura, Samsung und Co. wirklich?
Bei J.R.R. Tolkien gab es nur den einen Ring – doch inzwischen ist das Angebot an vermeintlich mächtigen Ringen deutlich größer als in „Der Herr der Ringe“. Wir vergleichen vier Modelle, die alle versprechen, unauffällig und zuverlässig Körperfunktionen zu überwachen und dabei zu helfen, das eigene Leben zu optimieren. Unser Test zeigt, ob sie tatsächlich magische Helfer im alltäglichen Kampf gegen ungesunde Gewohnheiten sind, oder ob es, frei nach Tolkien, am Ende nur darum geht, uns zu vermessen, uns zu schinden und ans Dashboard zu binden.
Alle hier getesteten Ringe sind komplett wasserdicht, können beim Händewaschen oder auch zum Schwimmen problemlos getragen werden. Sie sind aus Titan gefertigt, fühlen sich aber erstaunlich leicht an. Kein Wunder: Sie alle wiegen zwischen zwei und vier Gramm. Trotzdem machten alle Ringe einen sehr stabilen Eindruck und haben in mehreren Wochen täglicher Nutzung höchstens einige kleinere Kratzer davongetragen. Die Verarbeitung ist bei allen vier Modellen tadellos.
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Vor dem Kauf sollte man ein sogenanntes Ring-Sizing-Kit beim jeweiligen Hersteller bestellen. Damit findet man den passenden Durchmesser und bekommt einen ersten Eindruck von Größe und Passform. Obwohl alle Hersteller ähnliche Größenbezeichnungen nutzen, waren die tatsächlichen Ringgrößen nicht identisch. So passten etwa die Größe 12 von Blaupunkt und die 13 von Ultrahuman auf den gleichen Finger.
Auch wenn die Funktionen ähnlich scheinen, fühlen sich die Ringe ganz anders an als andere Fitnesstracker. Während Tracker ihre Daten ständig am Handgelenk anzeigen, ist der Ring ein stiller Begleiter, der seinen Träger nicht mit Benachrichtigungen belästigt. Er misst seltener, erlaubt keine ständigen Live-Updates und gibt eher einen langfristigen Überblick über Daten wie Schlafqualität, Bewegung, Umgang mit Stress oder die tägliche Bewegung. Entsprechend ist bei den Ringen auch die mitgelieferte App wichtiger, ist sie doch die einzige Schnittstelle zu den Daten und abgeleiteten Optimierungsvorschlägen.
1. Blaupunkt Smart Ring Pro (169 Euro)
Selbst der günstigste Ring im Vergleich überzeugt mit tadelloser Verarbeitung und edler Metall-Optik. Der Akku hält für ca. fünf Tage und wird über eine kabellose Ladestation mit Strom versorgt. Erfasst werden Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität (HRV), Hauttemperatur und Blutsauerstoffsättigung sowie Atemfrequenz, Schlafphasen, Schritte und Bewegung. Aus diesen Daten leitet die App Werte zu Schlafqualität, Kalorienverbrauch, Stresslevel, Erholungsphasen und Menstruationszyklus ab.
Die App ist recht einfach gehalten, bietet neben den reinen Messwerten kaum zusätzliche Informationen. Lobenswert: Der Blaupunkt-Ring kommt als einziger ohne Online-Registrierung aus. Sämtliche Daten werden nur in der App gespeichert, nicht in Cloudserver hochgeladen. Das sorgt einerseits für ein intaktes Datenschutz-Gewissen beim Träger. Andererseits können die Daten aber auch nicht in andere Systeme wie Google Fit übertragen werden. Einzige Ausnahme ist hier Apple Health, für die Blaupunkte eine Schnittstelle anbietet. Leider hat der Ring keine automatische Aktivitätserkennung. Wer Sporteinheiten über die App tracken möchte, muss sie dort auch aktiv anmelden. Weitere Schwäche: Die Herzfrequenz wird nur gelegentlich gecheckt. Echtzeit-Pulsmessungen bietet der Ring nur während der Erfassung von Sporteinheiten, ansonsten wird höchstens alle fünf Minuten gemessen. Die Qualität der Messung war in unseren Tests gut – auch wenn der Puls immer ein paar Schläge langsamer war als bei anderen Geräten.Fazit: Klare Empfehlung für Datenschutz-Besorgte und alle, die eher langfristig Daten erheben und vergleichen wollen.
2. Oura Ring 4 (ab 399 Euro)
Oura bietet seinen Tracker mittlerweile schon in der vierten Generation an. Der Ring ist hervorragend verarbeitet, wird neben sechs Titan-Varianten auch mit bunten Keramik-Oberflächen angeboten. Seine Sensoren sind perfekt ins Gehäuse integriert, wodurch ihr Leuchten (anders als bei den anderen drei Test-Kandidaten) selbst im Dunkeln nicht mehr zu erkennen ist. Der Akku im Ring hält für bis zu sieben Tage, wird kabellos in einer Basisstation geladen.
Der Oura-Ring erfasst zusätzlich zu umfangreichen Puls-, Bewegungs- und Schlafwerten auch Atmung und Sauerstoffsättigung im Blut. Die Herzfrequenz kann auf Wunsch kontinuierlich erfasst werden, was aber den Akku spürbar belastet. Sportliche Aktivitäten werden zuverlässig erkannt, und die schicke App zeigt neben den Basiswerten auch Daten zur Tagesform, dem kardiovaskulären Alter, VO2max, Schlafapnoe und eine Resilienz-Bewertung. Sie warnt sogar vor anstehenden Erkrankungen wie Infekten, bevor sie spürbar auftreten. Dazu gibt es Tipps zur Optimierung des eigenen Lebens und Zugriff auf eine umfangreiche Sammlung von Meditations- und Trainingsanleitungen.
Einziger Haken: Die Extra-Analysen und -Inhalte stehen nur zur Verfügung, wenn der Nutzer ein Abonnement für monatlich 5,99 Euro abschließt. Wer das nicht möchte, bekommt in der App nur ein sehr mageres Datenangebot präsentiert.Fazit: Spannende und präzise Analysen und Anleitungen – aber zu einem sehr hohen Preis.
3. Samsung Galaxy Ring (ab 269 Euro)
Ein Tipp vorneweg: Im Shop von Samsung kostet der Galaxy-Ring stolze 449 Euro, bei Online-Händlern gibt es ihn aber schon ab 269 Euro. Der sehr gut verarbeitete Ring fühlt sich durch seine leicht konvexe Außenseite anfangs etwas seltsam an. Nach einer Eingewöhnungszeit sitzt er aber bequem am Finger. Der Akku hält rund sechs Tage, kann durch einen zusätzlichen Akku im schicken Ladetui unterwegs ohne Steckdose mit Strom versorgt werden. Trick 17: Wer den Galaxy-Ring mit einer Uhr von Samsung kombiniert, wird mit einer besseren Akkulaufzeit belohnt, da sich die beiden Geräte die Mess- und Trackingaufgaben teilen.
Der Galaxy-Ring ist nicht mit Apples iPhone kompatibel, kann nur an Android-Smartphones betrieben werden. Und selbst hier ist die Einrichtung nicht ganz intuitiv, da neben der Samsung Health App noch eine zweite App benötigt wird. Ist das jedoch erledigt, liefert der Ring sehr präzise Messergebnisse und eine angenehm einfach zu bedienende App mit vielen Extrafunktionen. So hilft Samsung bei der Optimierung des Schlafs, erkennt Schlafapnoe, errechnet einen täglichen Energiewert und bewertet die täglichen Aktivitäten.Fazit: Bester Allrounder im Test – leider nicht für alle Handys geeignet.
4. Ultrahuman Ring Air (379 Euro)
Der Ring Air von Ultrahuman hätte eigentlich alles, was ein schlauer Ring so braucht. Die Verarbeitung ist tadellos, der Akku hält knapp sechs Tage lang, eine Aktivitätserkennung erfasst Sporteinheiten automatisch und außer VO2max wird praktisch alles gemessen, was die Konkurrenz auch erfasst. Dazu kommen eine sehr hübsch gestaltete App und der Verzicht auf einen Abo-Zwang. Sehr viele Analyse-Funktionen werden in der Basis-Ausstattung der App angeboten, einige können bei Bedarf über sogenannte PowerPlugs nachgerüstet werden.
Leider leistet sich der Ring aber auch ein paar gravierende Schwächen: So scheint die Herzfrequenzmessung nicht besonders präzise zu sein und die tägliche Schrittzahl wird teils extrem großzügig erfasst. Außerdem wird in der App zwar vieles angezeigt, aber nur sehr wenig erklärt, was der Träger mit diesen Messwerten denn nun anfangen kann bzw. wie die Werte verbessert werden können. Am ärgerlichsten aber ist: Ultrahuman nutzt die App sehr prominent für Eigenwerbung. So befasst sich nur einer von fünf Hauptmenü-Punkten mit dem Ring, drei andere preisen die Produkte des Herstellers an.Fazit: Der Ring ist gut, die App dürfte aber gerne noch besser sein.
