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Rolf Zuckowski spricht über Gender-gerechte Sprache in seinen Liedern

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12.07.2018

Musik

Musik

12.07.2018, 17:40 · Aktualisiert: 12.07.2018, 17:52

Im Kindergarten lernten wir mit ihm die Jahreszeiten, in der Grundschule die Verkehrsregeln. Zu Hause versteckten unsere Eltern die CDs irgendwann, weil wir sie zu oft hörten.

Um wen es geht? Natürlich um Rolf Zuckowski.

Sobald man seinen Namen liest, summt mindestens ein Ohrwurm im Kopf. Er prägte mehrere Generationen von Kindern – und Eltern – mit seiner Musik. Aufwachsen ohne seine Lieder? Für viele im Nachhinein schwer vorstellbar.

Doch um genau diese Lieder macht sich Zuckowski nun Sorgen. In einem Interview mit der "Zeit" befürchtete er, sie könnten irgendwann nicht mehr in Schulen und Kitas gesungen werden. Weil er die Texte nicht genderte und dadurch die weibliche Form nicht immer ausdrücklich genannt wurde. Damals war das kein Thema, heute ist es eines.

Herr Zuckowski, Sie waren in meiner Kindheit Musiker Nummer eins. Niemanden sonst habe ich so viel gehört. Wie viele Kinderlieder haben sie geschrieben?

Rolf Zuckowski: Ich schätze, etwa 500.

Darin haben Sie fast jedes Thema behandelt, das Kinder und Eltern beschäftigt. Von der Verkehrssicherheit bis zur Angst beim Einschlafen. Eigentlich bräuchte nie wieder jemand Lieder für Kinder schreiben, oder?

Kinderlieder entstehen jeden Tag. Es gibt gerade sehr tolle Musikerinnen und Musiker. Zum Beispiel Suli Puschban aus Berlin, die ganz andere Lieder macht als ich. In einem Song singt bei ihr eine Prinzessin: "Ich hab die Schnauze voll von rosa!" Das finde ich richtig klasse. Oder auch Deine Freunde, die für Kinder sehr engagierten HipHop machen. Es wird immer wieder neue Kinderlieber geben.

Dass ich noch welche schreibe, ist eher unwahrscheinlich, da ich die Themenwelt meiner Lieder für mich selbst recht vollständig finde.

Sie sind also mit Ihrem Werk zufrieden. Im "Zeit"-Interview, sagen Sie aber, dass Sie sich Sorgen um Ihre Lieder machen. Es ging um Wörter wie "Freunde", "Schüler" oder "jeder" in den Texten – maskuline Formen, von denen sich Mädchen nicht angesprochen fühlen könnten. Was denken Sie darüber, wenn das kritisiert wird?

Ich frage mich immer: Wie sehen Kinder das und wie können sie mit dem Thema Gendern umgehen, das Erwachsene wichtig finden. Der Wunsch vieler Frauen und auch Männer, in der Sprache Frauen sichtbarer zu machen und Gleichberechtigung auch auf der Sprachebene voranzubringen, ist ein sehr wichtiger und richtiger, aber auch ein sehr erwachsener, intellektueller Ansatz.

Aus der Sicht der Kinder ist das anders: Wenn Lehrkräfte nur noch von "Schülerinnen und Schülern" sprechen, ist die gendergerechte Sprache in den Köpfen der Kinder wie Grammatik. Dann umfasst das Wort "Schüler" irgendwann für sie nur noch Jungs. Und wenn das bei "Schüler" so ist, dann sind bald auch "Freunde" nur noch........

© Bento