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Der Iran kann Afghanistan nicht ignorieren

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08.09.2021

Die Führung in Teheran reagierte überraschend optimistisch auf die Machtübernahme der Taliban in Kabul. Grund hierfür ist eine dramatische Verhaltensänderung der neuen, alten Herren über Afghanistan: Als die Taliban in den 1990er Jahren erstmals an die Macht gekommen waren, verübten sie Massaker an den afghanischen Schiiten und ermordeten iranische Diplomaten in Mazar-i Sharif.

Damals, 1998, erlitt der Iran eine dermaßen schwere Niederlage, dass die Generalmobilmachung der Armee angeordnet wurde. Dass dann doch nicht in Afghanistan einmarschiert wurde, lag am Revolutionsführer Ali Khamenei, der den Plänen des Militärs skeptisch gegenüberstand. Er folgte jenen Beratern, die darauf hinwiesen, dass ein militärischer Einmarsch zwar relativ einfach durchzuführen wäre, der Konflikt sich jedoch mit zunehmender Verweildauer verändern und sich letztendlich negativ auf die innere Sicherheit des Iran auswirken würde. Dass es den Iranern dann doch gelang, in Afghanistan auf allen Ebenen präsent zu sein, verdankten sie dem Erzfeind USA, der die Herrschaft der Taliban im Jahr 2002 beendete.

Religion und Geopolitik

Der Iran kann Afghanistan aus historischen und wirtschaftsgeografischen Gründen nicht ignorieren. Das Land ist Teil der Persophonie, also des persischsprachigen Kulturraums, und Heimat wichtiger schiitischer........

© Wiener Zeitung


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