Warum schwärmen bloß alle von 2016? |
Neulich in der U6, irgendwo zwischen Längenfeldgasse und Westbahnhof: Neben mir sitzt ein Teenager in pastellfarbener Daunenjacke und schaut sich auf TikTok ein „Summer 2016“-Video an. Drakes Megahit „One Dance“, ein Sonnenuntergang in blassem Rosa, Mädchen mit Blumenkranz, orangestichiger Filter, der alle aussehen lässt, als wären sie gerade in Kalifornien gewesen. Und darunter der Satz: „2016 – the last good year“. Wie bitte?
Warum sehnen wir uns 2026 nach einem Jahr, das sich bereits selbst nach der Vergangenheit gesehnt hat?
Die Leute, die heute in ihren Zwanzigern sind, waren 2016 Teenager. Da standen noch viele Türen offen, Lebensentscheidungen waren eher Theorie als Realität. Gleichzeitig hing über den späten 2010er-Jahren noch der letzte Rest eines Gefühls, das man rückblickend „Millennial Optimism“ nennen könnte: Die Welt schien grundsätzlich verbesserbar, Europa stabil, das Internet eher Spielplatz als Bedrohung.
Der Historiker Tobias Becker, der zur Geschichte der Nostalgie forscht, sagt in einem Spiegel-Interview, man blicke deshalb gern in die Kindheit und Jugend zurück, weil einem noch die ganze Welt offenstehen würde. „Mit dem Alter und den Entscheidungen, die in Bezug auf Beruf und Privatleben getroffen werden, würden sich immer mehr Fenster und Türen schließen“, so Becker.
Weil also die Gegenwart düster wirkt, die Zukunft unsicher und wenig erbaulich erscheint und soziale Medien uns jede Katastrophe im Liveticker ohne Verzögerung und Beschönigung direkt auf das Handy spielen, ist es ein sehr menschlicher Reflex, sich in ein „altes gutes Jahr“ zu flüchten.
Doch je länger ich durch diese 2016-Videos scrolle, desto stärker drängt sich eine Frage auf: War 2016 überhaupt........