Chappell Roan und der Stempel der „schwierigen“ Diva |
Chappell Roan wurde fälschlich beschuldigt, ein Kind schlecht behandelt zu haben, obwohl sie nichts mit dem Vorfall zu tun hatte.
Frauen wie Chappell Roan werden schnell als „schwierig“ oder „undankbar“ bezeichnet, wenn sie Grenzen setzen.
Der Begriff „Diva“ wird oft negativ verwendet, obwohl Diven wie Chappell Roan kulturellen Einfluss und Eigenständigkeit zeigen.
Chappell Roan wurde in Rio de Janeiro mit einem Fan-Vorfall konfrontiert.
Security wies ein elfjähriges Mädchen und ihre Mutter aggressiv zurecht.
Roan entschuldigte sich, obwohl der Security nicht zu ihr gehörte.
Der Bürgermeister von Rio lud Roan von der Konzertreihe „Todo Mundo no Rio“ aus.
Chappell Roan wurde fälschlich beschuldigt, ein Kind schlecht behandelt zu haben, obwohl sie nichts mit dem Vorfall zu tun hatte.
Frauen wie Chappell Roan werden schnell als „schwierig“ oder „undankbar“ bezeichnet, wenn sie Grenzen setzen.
Der Begriff „Diva“ wird oft negativ verwendet, obwohl Diven wie Chappell Roan kulturellen Einfluss und Eigenständigkeit zeigen.
Chappell Roan wurde in Rio de Janeiro mit einem Fan-Vorfall konfrontiert.
Security wies ein elfjähriges Mädchen und ihre Mutter aggressiv zurecht.
Roan entschuldigte sich, obwohl der Security nicht zu ihr gehörte.
Der Bürgermeister von Rio lud Roan von der Konzertreihe „Todo Mundo no Rio“ aus.
„Chappell Roan beweist, dass das Schlimmste, was eine Frau sein kann, ‚nicht nett‛ ist. Währenddessen verkaufen Männer, die Frauen schlagen, Stadien aus. Ich hoffe, Chappell wird noch gemeiner“: Dieser dezent überspitzte, aber deshalb nicht weniger wahre Take war in den letzten Tagen immer wieder auf Social Media zu lesen.
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Was war passiert? Chappell Roan saß an einem Tisch im Frühstücksraum eines Hotels in Rio de Janeiro, wo ein elfjähriger Fan sie erkannte. Das kleine Mädchen soll Chappell Roan nicht angesprochen oder gar belästigt haben, trotzdem habe ein Security das Mädchen und seine Mutter auf „extrem aggressive“ Art zurechtgewiesen, heißt es später in einem Insta-Post. Dieser stammt vom Stiefvater des Mädchens, dem Fußballer Jorginho Frello, der nicht fassen konnte, dass ein Superstar eine Elfjährige zum Weinen gebracht hat (zumindest laut seiner Version der Geschichte). Er schrieb außerdem: „Ohne deine Fans wärst du niemand. Und an die Fans: Sie verdient eure Zuneigung nicht.“
Später stellte sich heraus, dass der Security nichts mit Chappell Roan zu tun hatte. Roan entschuldigte sich trotzdem und erklärte, dass sie von der Situation nichts mitbekommen habe. Aber es war zu spät: Der Shitstorm gegen die „undankbare Kinderhasserin“ tobte, der Bürgermeister von Rio lud sie sogar von der Konzertreihe „Todo Mundo no Rio“ aus. Uff.
Undankbar, schwierig, weiblich
Es ist nicht das erste Mal, dass Chappell Roan wegen ihrer Attitude Ärger bekommt: Schon öfter sagte sie Fotografen, dass sie sich verpissen sollen, lehnte Fotos mit Fans ab. Für eine Frau genug, um unangenehm aufzufallen. Von da an galt Roan als undankbar und „schwierig“, ein Wort, das gern zur vermeintlich eleganten Umschreibung von Beleidigungen verwendet wird und das Männern eher selten zugeschrieben wird, wie ich finde.
Besonders „schwierig“ sind Frauen, die Grenzen ziehen, diese auch kommunizieren und lautstark durchsetzen. Das ist nicht nur bei Popstars so, sondern auch im Alltag von uns Normalsterblichen. Jede:r hatte schon mal eine „schwierige“ Kollegin – oder man war selbst die „Schwierige“, weil man keine unbezahlten Überstunden leisten wollte und somit nicht dankbar genug für was auch immer war.
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Chappell rettet uns vor dem großen Diva-Sterben
Auch so ein Wort, das Frauen gern im negativen Sinne übergestülpt wird: „Diva“. Wer denkt dabei nicht an Mariah Carey oder J.Lo, die mit verrückten Backstage-Wünschen auffallen, sich direkt im Stehen in ihre Kleider nähen lassen oder unhöflich zu ihrem Team sind? In einer Abhandlung im Magazin Harper’s Bazaar wird der Diva-Begriff anders beleuchtet: Pop-Diven sind nämlich die, die kulturellen Impact hinterlassen, große Auftritte lieben und – wichtig! – nicht alles mit ihren Fans teilen.
Diven sind Superstars wie Beyoncé, Gaga oder Adele, die sich der aktuellen TikTok-Logik entziehen und nicht alles daran setzen, relatable zu sein. Sie sind ein bisschen mysteriös, sie sind camp, sie sind nicht „eine von uns“. Der Artikel stellt die These auf, dass in Zeiten von Social Media keine Diven mehr nachkommen. Ich glaube: Chappell Roan ist eine solche Diva. Ihre Marke beruht nicht darauf, dass sie Nettigkeit und Likeability performt. Sie performt Superstardom, Glitzer, Extravaganza.
Spätestens seit der Corona-Pandemie hat sich unter Pop-Fans eine nicht besonders divafreundliche Logik verbreitet: Wir zahlen Artists sehr viel Geld für Tickets, Vinyls und Merch (so weit, so wahr), also wollen wir dafür von ihnen vollen Einsatz, egal ob im privaten Setting, auf der Bühne oder auf Social Media. Liefern sie diesen Einsatz nicht zu unserer Zufriedenheit und verweigern dem Netz zufolge einer Elfjährigen ihren großen Moment, gehören sie an den Internetpranger.
Wagen vor allem Frauen es, sich diesem „Dienst-an-der-Kundschaft“-Mindset zu entziehen, wird’s stressig. Oder vielleicht auch nicht – denn einer Diva ist dieses Gerede am Ende des Tages doch eh egal. Das nächste Mal, wenn euch jemand so nennt, sagt also: Danke.
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Out: The Chappell Roan controversy with an 11-year-old fan, explained
Harpers Bazaar: Is the Diva in Danger of Extinction?
Das Thema in anderen Medien
Dazed: In defence of Chappell Roan
GCN: Opinion: The Chappell Roan discourse highlights industry double-standards