Wer oder was mit dir nachts Party macht |
Es ist wieder einmal spät geworden. Im Dunkeln gehe ich vom Zug heim, mein Weg führt mich über eine Schotterstraße am Waldesrand – plötzlich schnauft jemand (oder etwas?) neben mir. Gleichzeitig höre ich einen Schrei aus dem Wald und nehme unregelmäßige Bewegungen über mir wahr. Mir wird klar: Ich bin hier nicht allein unterwegs. Ganz im Gegenteil. Gerade in der Nacht schlüpfen Tiere aus ihren Verstecken, um zu jagen oder auf Partner:innensuche zu gehen. Oder, um bis zu den Mülltonnen vor den Häusern der Menschen vorzudringen und sich die Bäuche vollzuschlagen.
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Welche Tiere das sind? Die Rede ist zum Beispiel von Igeln, Waldkäuzen, Fledermäusen und Ratten. Das ist nur ein Bruchteil aller Tiere, die bei Einbruch der Dämmerung aufwachen: Rund zwei Drittel der Säugetiere Europas, die Hälfte der Insekten und etwa fünf Prozent der Vögel sind nachtaktiv. Sie machen manchmal ganz schön viel Lärm und kümmern sich nicht im Geringsten darum, dass sie dabei wie schreiende oder zähneklappernde Menschen klingen können.
Aber wer oder was könnte das sein, wenn ich es in der Nacht auf dem Heimweg neben mir schnaufen höre? Ich könnte es mit einem Igel zu tun haben, der gerade nach Insekten, Würmern oder Schnecken schnuppert, um sie zu verspeisen – er sieht zwar extrem schlecht, kann dafür aber umso besser riechen. Hält das Schnaufen stundenlang an und geht in lautes Grunzen oder Fauchen über, so ist es vermutlich ein Igelmännchen, das einem Weibchen imponieren möchte. Kommt dieses näher, hört sich das aufgeregte Männchen sogar wie ein heiser bellender Hund an. Ein in Panik geratener Igel schreit wiederum so schrill und laut im Gebüsch, dass es mich an ein menschliches Baby erinnert.
Schreie, die aus dem Wald kommen und mehr wie ein Heulen klingen, deuten hingegen auf einen Waldkauz hin. Ich muss dabei immer an jene Thriller-Szenen denken, in denen es besonders gruselig werden soll. Der Waldkauz gehört zu den größeren Eulenarten – entdecken lässt er sich dennoch selten: Sein Gefieder sieht aus wie die Rinde der Bäume, auf denen er gerne sitzt. Allein sein Gesicht, aus dem zwei große Knopfaugen schauen, ist rund und hell. Die Augen sind stark lichtempfindlich, können das Restlicht sammeln und funktionieren daher auch in der Dämmerung gut.
Fast das ganze Jahr über ist nachts das kurze, helle „Kuwitt“ des Waldkauzes zu hören. Werden die Schreie zu einem langgezogenen „Huhuuuuu“, kommen diese von Männchen, die um Weibchen balzen, was im Herbst und Winter der Fall ist. Der Waldkauz lebt nicht nur im Wald, sondern auch in städtischen Parks oder auf Friedhöfen.
Ohren wie Satellitenschüsseln
Die Fledermaus hört die Waldkauzschreie ebenfalls – und noch vieles mehr. Sie „sieht“ quasi mit den Ohren,........