Meine Schildkröten gehören in den Kühlschrank |
Schildkröten verbringen den Winter in Winterstarre im Kühlschrank, da sie wechselwarm sind und ihre Körpertemperatur der Umgebung anpassen.
Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre unterscheiden sich: Säugetiere halten Winterschlaf oder Winterruhe, Reptilien wie Schildkröten fallen in die Winterstarre.
Der genaue Auslöser für das Erwachen aus der Winterstarre ist unklar, vermutlich spielt eine "innere Uhr" eine Rolle.
Schildkröten halten Winterstarre bei ca. 6 °C im Kühlschrank.
Murmeltiere verbringen 6 Monate im Winterschlaf, Körpertemperatur sinkt auf 7–9 °C.
Braunbär, Dachs und Eichhörnchen halten Winteruhe: Körpertemperatur bleibt gleich, Herz schlägt aber langsamer.
Schildkröten verbringen den Winter in Winterstarre im Kühlschrank, da sie wechselwarm sind und ihre Körpertemperatur der Umgebung anpassen.
Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre unterscheiden sich: Säugetiere halten Winterschlaf oder Winterruhe, Reptilien wie Schildkröten fallen in die Winterstarre.
Der genaue Auslöser für das Erwachen aus der Winterstarre ist unklar, vermutlich spielt eine "innere Uhr" eine Rolle.
Schildkröten halten Winterstarre bei ca. 6 °C im Kühlschrank.
Murmeltiere verbringen 6 Monate im Winterschlaf, Körpertemperatur sinkt auf 7–9 °C.
Braunbär, Dachs und Eichhörnchen halten Winteruhe: Körpertemperatur bleibt gleich, Herz schlägt aber langsamer.
„Warum kann ich nicht einfach einen langen Winterschlaf halten und erst im Frühling wieder aufwachen?“, hat vor Kurzem eine Kollegin in der Redaktionssitzung gefragt. Ich weiß nicht, ob ich das so toll fände, hab’ ich mir gedacht – und an die drei Schildkröten in den Gemüsefächern meines Kühlschranks denken müssen: Dort sitzen sie seit Herbst wie drei Salatköpfe, komplett erstarrt. Sie fressen nicht, reagieren äußerst träge und nehmen ihre Umgebung kaum wahr. Will ich das?
Für dich interessant: Kann man Liebe messen?
Nein, habe ich für mich beschlossen (obwohl ich ohnehin keine Wahl habe). Ich will weder in eine Winterstarre noch in einen Winterschlaf und auch in keine Winterruhe verfallen. Doch wie unterscheiden sich diese Überwinterungsmöglichkeiten in der Tierwelt nun genau?
Switch auf Sparflamme
Beim Winterschlaf senken die Tiere ihre Körpertemperatur stark ab, hören auf zu fressen und zehren von ihren Fettreserven – sie sind aber immer noch wärmer als ihre Umgebung und unterbrechen den Schlaf auch hin und wieder, um sich zum Beispiel einen neuen Platz zu suchen. Dieses Überwintern auf Sparflamme praktizieren kleine Säugetiere wie Igel, Fledermäuse, Siebenschläfer, Hamster oder Murmeltiere. Letztere verbringen 90 Prozent ihres Lebens in unterirdischen Höhlen – sechs Monate davon schlafend. Deren Körpertemperatur fällt dabei von 39 auf sieben bis neun Grad Celsius ab, und sie verbrauchen nur wenige Prozent ihrer Wachzustand-Energie.
Bräuchten wir Menschen eine biologische Strategie, um unsere Körper mit so wenig Energie wie möglich über den Winter zu bringen, wäre vermutlich die Winterruhe der logischste Weg: Dabei bleibt die Körpertemperatur zwar gleich, das Herz schlägt aber langsamer, und auch die Atmung wird flacher. Wir würden mehr schlafen als sonst und nur aufstehen, um regelmäßig zu essen und auf die Toilette zu gehen – wie es zum Beispiel der Braunbär, der Dachs und das Eichhörnchen im Winter tun.
Doch nun zurück zu meinen Schildkröten. Und damit zu meinem Kühlschrank, wo sie bei rund sechs Grad Celsius in den Gemüsefächern sitzen und auf den Frühling warten. Reptilien, zu denen die Schildkröten zählen, aber auch Amphibien wie Frösche oder Kröten sowie einige Fischarten fallen in die sogenannte Winterstarre. Anders als beim Winterschlaf oder der Winterruhe gleicht sich bei der Winterstarre die Körpertemperatur der Außentemperatur an – die betroffenen Tiere nennt man daher auch wechselwarm (im Gegensatz zu gleichwarm).
Ab einer gewissen Temperatur ist allerdings Schluss: Bei Minusgraden würden meine Schildkröten erfrieren. Deshalb müssen sie in den Kühlschrank, sobald die Nächte zu kalt werden, wo sie bewegungslos verharren und nur äußerst träge ein Bein bewegen, falls ich es anstupse. In Griechenland, wo ihre Verwandten in freier Wildbahn leben, wird es im Winter nie so kalt wie bei uns in Österreich, weshalb die Schildkröten dort auch nicht in den Kühlschrank müssen. In die Winterstarre verfallen sie trotzdem – tief eingegraben in die Erde, wo es ein paar Grad über Null hat. Manche kapseln sich auf diese Art und Weise in 80 Zentimetern Tiefe vom Winter auf der Erdoberfläche ab. Ihr Energieverbrauch sinkt auf nahezu null ab.
Warum all das passiert – warum Tiere mit Winterbeginn einschlafen, ruhen oder sogar erstarren –, ist nicht eindeutig geklärt. Auch nicht, wodurch sie wieder aufwachen. Fakt ist zwar, dass es mit Frühlingsbeginn wieder wärmer und immer heller wird – warum meine Schildkröten im Kühlschrank, wo sie von all dem nichts mitbekommen, ebenfalls unruhig werden, lässt sich aber wohl nur auf eine Art „innere Uhr“ zurückführen.
Wenn der Wecker läutet
Bald ist es wieder so weit. Ich freue mich schon jetzt auf den Moment, wenn ich ihnen beim Aufwachen zuschauen kann. Wenn sie, sobald ich sie draußen in die Frühlingsluft setze, innerhalb kürzester Zeit auf Betriebstemperatur kommen, ihre Beine und den Kopf ausfahren und herumlaufen, als hätten sie ein Leben lang nichts anderes getan.
Trotzdem – wie gesagt: Ich stelle mich lieber dem Winter mit all seinen Schneestürmen und seiner Eiseskälte, die mich jedes Mal, wenn ich hinausgehe, wie unzählige Nadelspitzen auf der Haut trifft, als ein halbes Jahr meines Lebens zu verpassen. Denn einerseits ist in solchen Momenten, wenn es wieder besonders kalt und stürmisch draußen war, das Nachhausekommen umso schöner. Andererseits kann ich als eine, die den Winter nicht verschlafen hat, den Frühling und das Aufwachen der Natur intensiver erleben. Und falls ich es in den eiskalten Monaten irgendwann doch nicht mehr aushalten sollte, kann ich es ja wie die Zugvögel machen und dorthin gehen, wo es wärmer ist.
Petra Tempfer nimmt euch alle zwei Wochen mit nach draußen – in ihren Garten und die Natur zu allem, was da so lebt. Nächstes Mal wachen ihre Schildkröten vielleicht schon wieder langsam auf, während sich ein paar Meter entfernt vor der Haustür die ersten Schneeglöckchen durch das Erdreich kämpfen. Gleich daneben die Tulpen, und um mit der Kirschblüte ein Selfie zu machen, muss sie nicht einmal nach Japan fahren. Darum, wie sie alle es schaffen, zu Frühlingsbeginn den harten Boden zu durchbrechen oder Knospen zu sprengen, wird es in der kommenden Kolumne gehen.
Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.
Vergleicht man den Winterschlaf verschiedener Tierarten, zeigen sich zwei unterschiedliche Muster. Eine australisch-österreichische Studie unter Leitung der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat untersucht, wie sich dieser Unterschied auf das Langzeitüberleben der Tiere auswirkt. Demnach sind Überwinterer, die einen über viele Tage reichenden Winterschlaf halten, jenen Arten gegenüber, die ihren Winterschlaf auf einzelne Tage beschränken, im Vorteil.
Wer Wildtieren helfen möchte, leichter über den Winter zu kommen, hat mehrere Möglichkeiten: Laub liegen lassen: Laub- und Reisighaufen in einer Gartenecke als Winterquartier für Igel, Amphibien und Insekten aufhäufen; Verstecke schaffen: Holzstapel, Komposthaufen und Hecken anlegen und ab dem Herbst ruhen lassen, damit Igel, Amphibien und Insekten ungestört sind; Nistkästen aufhängen: Nistkästen können im Winter von Meisen, Feldsperlingen oder Siebenschläfern als Schlafplatz genutzt werden. (Nabu Baden-Württemberg)
Im Laufe der Evolution haben sich zwei verschiedene Konzepte zur Steuerung der Körpertemperatur entwickelt. Endotherme Organismen (gleichwarm) wie Säugetiere und Vögel regulieren ihre Körpertemperatur von innen heraus. Sie sind abhängig von einer ständigen Nahrungszufuhr, um ein konstantes Level halten zu können. Exotherme, also wechselwarme Organismen – dazu gehören vor allem Reptilien –, regulieren ihre Körpertemperatur über das Sonnenlicht. Sie benötigen die Wärme von außen, um sich überhaupt bewegen zu können. Dafür müssen sie deutlich weniger Nahrung zu sich nehmen. Die exotherme Regulation ist evolutionär gesehen deutlich älter. (biologie-schule.de)
Vom Hamstern & Schlafen, Tiere bei der Vorbereitung auf den Winter unterstützen (Österreichischer Naturschutzbund)
„Das Geheimnis der Winterschläfer, Reisen in eine verborgene Welt“ von Lisa Warnecke, Verlag C. H. Beck, 2017, 205 Seiten (ISBN 978-3-406-71328-6)
Das Thema in anderen Medien
Der Standard: Quiz: Winterschlaf und Co: Was machen die Tiere im Winter?
Die Presse: Warmes Wetter belastet auch die Winterschläfer