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"Idiotie" als politisches Konzept

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08.09.2021

"He may look like an idiot

and talk like an idiot

but don’t let that fool you.

He really is an idiot."

Groucho Marx

Bekanntlich haben die alten Griechen jene Bürger, die sich dem öffentlichen Leben entzogen, um sich ihren privaten Anliegen zu widmen, als unpolitisch bezeichnet, also nicht als "polites", sondern als "idiotes". Wenn auch die individuelle Entscheidung, als "Idiot" zu leben, damals noch nicht so abwertend gesehen wurde, wie es das heutige Schimpfwort suggeriert, so scheint gerade die in diesem Wort ausgedrückte Abwertung der Privatperson das Problem des apolitischen Lebens in der Demokratie deutlich zum Ausdruck zu bringen.

War es in der griechisch-römischen Antike mehr oder weniger selbstverständlich, die politische Öffentlichkeit als den Ort zu verstehen, an dem sich die Einzelnen zu differenzierten Individuen entwickeln konnten (und dabei rückwirkend das Kollektiv zu einer strukturierten Gemeinschaft, einer Gesellschaft auszudifferenzieren vermochten), war es doch spätestens seit dem Siegeszug der Ökonomie über die Politik in der kapitalistischen Neuzeit - Stichwort: "Politik als Fortsetzung der Ökonomie mit anderen Mitteln" - mit den grundgelegten humanistischen Vorstellungen vom Menschen als politischem Wesen bald wieder vorbei. Und das trotz des Zeitalters der Renaissance mit gewaltigen wissenschaftlichen Entwicklungsschüben und philosophischem Ausbuchstabieren einer humanistischen Weltsicht.

Spezielle Sprache in einer entpolitisierten Gesellschaft

Letztlich waren es die........

© Wiener Zeitung


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