Es ist nicht das Öl, es ist die Macht, die alles zerstört

Ich könnte jetzt über Venezuela schreiben. Weil natürlich geht’s da auch um Nachhaltigkeit – oder glaubt irgendjemand von euch wirklich, dass die hehren USA nun den Helden im Kampf gegen die Drogen spielen wollen? Das viele, viele böse Kokain, das Venezuela in die USA pumpt? Blödsinn, es geht um Militärstrategie, und es geht schlicht ums Öl. Venezuela hat die größten Öl-Vorräte der Welt. Und auf die hatten die USA früher mehr Zugriff, den sie jetzt wieder wollen. Sie wollen dieses gute, fette Schweröl, das in Venezuela gefördert wird, denn es lässt sich auch in den US-amerikanischen Raffinerien besser verarbeiten als das eher dünnflüssige Öl, das die USA selbst durch Fracking aus dem Boden holen.

Und in weiterer Folge heißt das: Es geht um Macht. Keine Macht über das Land selbst, sondern über den Ölpreis. Denn nicht nur das Öl selbst sorgt für Jobs in US-Raffinerien, sondern der Handel mit dem Öl tut auch der US-Wirtschaft gut. Vor vielen Jahren machten einige wenige Länder sich aus, dass Öl international in US-Dollar gehandelt werden soll. Inzwischen sind jedoch viele andere Player am Markt, der (Petro-)Dollar lief Gefahr, nicht mehr die Leitwährung im Ölhandel zu sein. Das haben die USA mit dem (völkerrechtlich illegalen und vom US-Kongress nicht genehmigten) Angriff auf Venezuela nun verhindert.

Trump kann das nutzen, um dann zu sagen, wie gut es der Wirtschaft in seiner Regierungszeit geht – und um damit eigentliche nationale wirtschaftliche Herausforderungen........

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