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Wir zahlen für Luxus - und wohnen im Hostel

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24.09.2021

Wäre der Staat Österreich ein Hotel, er würde in der allerhöchsten Preisklasse spielen. Fünf Sterne Plus. Rundum Service. Präsidentensuite. Kaviar. Champagner. Sauna, Dampfbad, Gegenstromanlage. Zehntausende Euro pro Nacht. Österreich ist purer Luxus. Kaum ein Land der Welt nimmt seinen Bürgern mehr ab. Einzig: Die Leistungen passen nicht zum Preis. Der Prospekt war eine Lüge. Die Bewertung auf Booking.com: 3,6 - eine Katastrophe. Aber statt uns zu fragen, warum die Angebote unseres Hotels eher auf Hostel-Niveau angesiedelt sind, warum der Kaviar ständig aus ist, der Sprudel schal schmeckt und der Spa-Bereich ständig geschlossen ist, suchen wir lieber nach Schuldigen. Das Paar aus Zimmer 308, die müssen sich am guten Zeug bedient haben.

Die "kalte Progression" frisst weiterhin kleine Senkungen auf

Geht es um Steuern, ist eine sachliche Debatte in Österreich fast unmöglich. Sofort wird es politisch, polemisch und populistisch. Nichts ist einfacher, als von anderen zu fordern, sie mögen doch bitte mehr bezahlen. Konzerne, Zuwanderer, Spekulanten, Rothaarige: Sollen die nicht alle "ihren Beitrag" leisten? Erst recht in einer solchen Krise? Also bitte, her mit der Marie! Im Gegenzug, wird impliziert, könne man dann die "Belastung des Faktors Arbeit" senken. Irgendwann. Ein bisschen. Das klingt schon so abstrakt, dass kaum jemand sich etwas darunter vorstellen kann.

Dabei wäre das viel wichtiger als irgendeine andere Maßnahme im Steuerbereich.........

© Wiener Zeitung


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