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Warum Wickie Hörner am Helm hat

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Wikinger trugen keine Helme mit Hörnern; dieses Bild entstand durch Richard Wagners "Ring des Nibelungen".

Die Wikinger waren genetisch vielfältig und stammten ursprünglich aus der eurasischen Steppe, nicht aus Skandinavien.

Historische Mythen über Wikinger werden von rechten Gruppen für rassistische Propaganda missbraucht.

Wikinger trugen keine Helme mit Hörnern.

DNA-Studie 2020: Wikinger waren genetisch vielfältig.

Nazis und Neonazis nutzten Wikinger-Symbolik für Propaganda.

Frauen hatten bei Wikingern oft wirtschaftliche und soziale Macht.

Wikinger trugen keine Helme mit Hörnern; dieses Bild entstand durch Richard Wagners "Ring des Nibelungen".

Die Wikinger waren genetisch vielfältig und stammten ursprünglich aus der eurasischen Steppe, nicht aus Skandinavien.

Historische Mythen über Wikinger werden von rechten Gruppen für rassistische Propaganda missbraucht.

Wikinger trugen keine Helme mit Hörnern.

DNA-Studie 2020: Wikinger waren genetisch vielfältig.

Nazis und Neonazis nutzten Wikinger-Symbolik für Propaganda.

Frauen hatten bei Wikingern oft wirtschaftliche und soziale Macht.

Jede:r kennt die Wikinger als wilde, großgewachsene und blondhaarige Krieger, die in ihrer Blütezeit im 9. und 10. Jahrhundert mit Drachenbooten die Meere befuhren und überall, wo sie hinkamen, für Angst und Schrecken sorgten. Allerdings: Das meiste, was wir über die Wikinger zu wissen glauben, stimmt nicht.

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Das beginnt damit, dass Wikinger keine Helme mit Hörnern trugen. Die wären im Kampf höchst hinderlich gewesen: Jeder Gegner hätte einen solche Helm mit einem Schlag vom Kopf fegen können. Die beliebte Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer“, das Comic „Hägar der Schreckliche“, zahllose historische Abbildungen in Büchern und norwegische Eishockey-Fans vermitteln hier ein völlig falsches Bild.

Vorfahren aus der Steppe

Schuld an dem Irrtum ist die Uraufführung von Richard Wagners Untergangs-Epos „Ring des Nibelungen“ aus dem Jahr 1876. Die normalen, „nackten“ Helme der germanischen Helden erschienen dem Regisseur zu wenig spektakulär. Also traten die nordischen Recken mit hornbewehrten Helmen auf – eine künstlerische Fantasie Wagners.

Die nächste falsche Annahme besteht darin, dass es sich bei den Wikingern um Skandinavier mit „reiner“ genetischer Blutlinie handelte. Das ist die Fiktion nationalistischer Bewegungen des 19. Jahrhunderts: Eine umfangreiche DNA-Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass sich die Wikinger bei ihren Handelsreisen mit einer Vielzahl von Völkern, auch aus Südeuropa, vermischt haben. Ihre Wurzeln liegen nicht etwa in Norwegen oder Schweden, sondern in der eurasischen Steppe.

Rassistische Symbolik

Die irrige Vorstellung von Wikingern als homogenem Volk unerschrockener, großer, blonder, blauäugiger Krieger, bietet rechter Propaganda heute einen idealen Gegenentwurf zur angeblichen „Überfremdung“ der Gesellschaft durch Migrant:innen aus arabischen oder afrikanischen Ländern. Zunächst vereinnahmten die Nazis die Wikinger für ihre Lehre vom angeblich „edlen“, „reinblütigen“ und allen anderen Rassen überlegenen Germanen; dann folgten die Neonazis: Die mittlerweile verbotene „Wiking-Jugend“ war bis in die 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Österreich in der Tradition der Hitler-Jugend (HJ) aktiv. In Finnland entstand 2015 eine rechtsextreme Gruppe namens „Soldiers of Odin“, die als „Bürgerwehr“ gegen Geflüchtete und Asylwerber:innen auftrat.

„Überlegene“ Männer und mächtige Frauen

In den letzten Jahren springen rechtsextreme Esoteriker:innen, Impfgegner:innen und Gesundheitsapostel auf das Wikinger-Thema auf. Auch war der selbsternannte „Schamane“ mit der gehörnten Büffelmütze, der 2021 zu einem Sinnbild des Sturms auf das US-Kapitol in Washington wurde, am ganzen Körper mit Wikingersymbolen tätowiert: Eine rassistisch intendierte Bildsprache, die die Überlegenheit einer weißen, kämpferischen Männlichkeit ausdrücken soll.

Die Wissenschaft hat schon vor vielen Jahren herausgefunden, dass bei Wikingern tatsächlich nicht so sehr Männer, sondern selbstbewusste und mächtige Frauen die Hosen anhatten. Sie verwalteten den Besitz, führten die meiste Zeit die Geschäfte in Haus und Hof, trugen zum Zeichen ihrer Macht einen Schlüsselbund am Gürtel und wussten auch mit dem Schwert umzugehen. Wieder einer von zahlreichen Belegen dafür, dass unser aller Vorstellung von den Wikingern mit der historischen Realität wenig zu tun hat.

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DNA-Studie zur Abstammung der Wikinger

Wikinger Museum Haithabu: „Wikinger eignen sich nicht für rassistische Propaganda“

National Geographic: Die Hasssymbole der Kapitolstürmer

Hägar der Schreckliche: Ein politisch inkorrekter Lebensphilosoph, Deutschlandfunk

Spektrum der Wissenschaft: Die Macht der Wikingerinnen

Die Wikinger waren Seefahrer:innen, Krieger:innen und Händler:innen aus dem heutigen Skandinavien, die zwischen 800 und 1050 nach Christus in Erscheinung traten. Bekannt für ihre schnellen Schiffe, führten sie Raubzüge durch, waren aber auch Entdecker:innen, Siedler:innen und Kaufleute.

Sturm auf das Kapitol: Am 6. Jänner 2021 stürmten Anhänger:innen des damals abgewählten und mittlerweile wieder amtierenden US-Präsidenten Donald Trump das Kapitol, den Sitz des Kongresses in Washington, D.C. Trump hatte seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2020 nicht anerkannt.

Richard Wagner war ein deutscher Komponist, Schriftsteller, Regisseur und Dirigent mit einem Faible für germanische Mythologie. Mit seinen durchkomponierten Musikdramen ist er einer der bedeutendsten und einflussreichsten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Wagner war zudem Antisemit und wurde nach seinem Tod unter anderem von Adolf Hitler sehr geschätzt.

Die wilden Horden aus dem Norden

Kein Bullerbü des Mittelalters

Das Thema in anderen Medien

Geo: Warum Wikinger keine Hörner trugen

Die Presse: Verbotene neonazistische Organisation

ORF: Wie die Wikinger wirklich aussahen


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