„Der steigende Goldpreis macht uns Angst“

Glänzender Schmuck oder auch Münzen als Wertanlage: Wer Gold unter dem Christbaum liegen hatte, kann sich mittels Zertifikat versichern, dass es echt ist. Wo genau das Edelmetall ursprünglich herkommt, ist schon nicht mehr so leicht nachvollziehbar. Denn gerade bei Gold lässt sich die Herkunft leicht verschleiern, wenn es unter fragwürdigen Bedingungen gewonnen wird. Und je höher der Goldpreis steigt, desto einfacher wird es.

Bei einem Wert von derzeit 120.000 Euro pro Kilo und einer nahezu unbegrenzten Haltbarkeit sind Goldbarren nämlich das ideale Schmuggelgut, das sich beliebig oft einschmelzen und in kleinen Einheiten leicht vom illegalen in den legalen Markt transferieren lässt. Ist es einmal in die globalen Lieferketten gelangt, verliert sich die Spur – die vielleicht in den Amazonas führen würde. In Südamerikas Regenwald wird Gold nicht nur in Minen abgebaut, sondern auch aus Flüssen gewaschen. Das klingt erst einmal harmlos, ist es aber ganz und gar nicht.

Die oft illegalen Goldsucher:innen roden nämlich nicht nur riesige Flächen im Regenwald, um an Bodenschätze zu kommen, sondern befahren außerdem die Flüsse mit Booten und pumpen die Sedimente nach oben. Dabei setzen sie Quecksilber und Salpetersäure ein, um das Gold zu lösen. Beide Chemikalien sind hochgiftig und richten massive Schäden an, wenn sie in die Umwelt gelangen. Quecksilber ist nicht biologisch abbaubar, reichert sich in der Nahrungskette an und verursacht bei Menschen und Tieren irreversible Schädigungen des Nervensystems. „Sie vergiften unsere Flüsse, deren Wasser wir trinken und deren Fische wir essen. Sie zerstören unseren Lebensraum und unsere Lebensgrundlage“, sagt die indigene Menschenrechtsaktivistin Marcelina Angulo, die im Nordosten Perus mitten im Dschungel lebt.

Der Río Nanay, der in der Nähe von Iquitos in den Amazonas mündet, und seine Nebenflüsse sind bereits nachweislich mit Quecksilber kontaminiert. Die Belastung übersteigt hunderten Proben zufolge den WHO-Grenzwert um das Zehnfache oder mehr. Es geht hier aber nicht bloß um das Schicksal der Indigenen im Amazonas; die Umweltzerstörung hat auch globale Folgen. Der Regenwald wird nicht umsonst als „grüne Lunge der Erde“ bezeichnet. Wird dieser CO₂-Speicher zerstört, hat das dramatische Folgen für das Weltklima.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland geht von mindestens 20.000 illegalen Goldsucher:innen im Amazonas aus, wahrscheinlich sind es noch viel mehr. Es sind vor allem Männer aus der Region, die kaum Perspektiven haben. Denn die nächste große Stadt Iquitos,........

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