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Mutig, aber realistisch gegen die Klimakatastrophe

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12.09.2021

Ist jedes starke Wetterereignis bereits eine Klimakatastrophe? Wer die Berichterstattung in diesem Sommer aufmerksam verfolgte, muss zu diesem Schluss kommen: Ob es die Überschwemmungen im Ahrtal in Rheinland-Pfalz, in Hagen und Wuppertal waren oder ein Tornado in Südmähren, selbst die Waldbrände am Mittelmeer und in Kalifornien oder der nächste Hurrikan in der Karibik: Das seien alles klare Hinweise auf die bevorstehende, vom Menschen gemachte Klimakatastrophe.

Muss das so sein? Brauchen wir das wirklich? Aus der Medienwelt kommt dazu ein klares Ja! Denn "bad news" sind "good news", und jeder Superlativ, sei er noch so lokal begrenzt, lässt sich generalisieren und damit Betroffenheit erzeugen. Die Wahrnehmung von Wetterextremen und die globale, mediale Verbreitung von Auswirkungen starker Wettereignisse hat zugenommen. Die empirische Evidenz dafür ist unbestreitbar. Diskutabel ist die Frage, ob der Klimawandel, mit einem Anstieg von derzeit etwas mehr als 1 Grad, bereits zu einer meteorologischen Gewissheit führt.

Logisch wäre das durchaus, denn eine höhere Temperatur bedeutet mehr Energie und viel mehr Wasserdampf in der Atmosphäre. Daraus kann man nicht nur mehr Regen, sondern auch häufigere und stärkere lokale Niederschläge ableiten. Bei wissenschaftlichen, empirisch begründeten Konzepten eines hundert- oder tausendjährigen Hochwassers ist ein Beobachtungszeitraum über wenige Jahre wenig aussagekräftig. Die entsprechenden Alarm- und Katastrophenhilfen müssen trotzdem angepasst werden. Manchmal wirft schon ein einzelnes, großes Ereignis ein komplettes regionales Krisenmodell über den Haufen.

Bei Tornados kann man noch klarer feststellen, dass mit der Vermehrung von Beobachtern, sogenannten Spottern, die Anzahl an dokumentierten Tornados konstant zunimmt. Dort, wo sie sehr häufig auftreten, etwa im Tornado Alley im Mittleren Westen der USA, gibt es schon einen kleinen Tornado-Tourismus. In unseren Breiten sind sie seltener, trotzdem muss in Deutschland durchschnittlich mit 60........

© Wiener Zeitung


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