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Rote Linien

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18.06.2021

Seit geraumer Zeit gewinnen die Landkarten der Moral eine neue Gestalt. Unübersehbar nimmt die Zahl der roten Linien, die sie durchziehen, zu. Seit Barack Obama dem syrischen Potentaten Assad klar gemacht hat, dass durch den Einsatz von Giftgas gegen die Zivilbevölkerung eine rote Linie überschritten würde, erfreut sich diese Metapher einer zunehmenden Beliebtheit. Zwar ist Obama längst Geschichte und Assad hat sich soeben durch eine wohl nicht ganz freie Wahl in seinem Amt bestätigen lassen, aber wer von roten Linien spricht, hat Großes vor, selbst wenn dabei wenig herauskommen mag.

Die rote Linie ist ein unübersehbares Signal. Es genügt nicht mehr zu sagen, dass jemand zu weit gegangen sei; es genügt schon gar nicht festzustellen, dass eine Grenze überschritten wurde; es muss die rote Linie sein, die klar macht: bis hierher und nicht weiter. Ob es sich um die wenig........

© Wiener Zeitung


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