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Kampf um den Judenstaat

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09.08.2021

Menachem Begin (1913 bis 1992) ein Terrorist und die von ihm geführte zionistische Untergrundbewegung Irgun Zwai Leumi eine Terrorgruppe, deren Anschlag auf die Zentrale der Briten im King-David-Hotel in Jerusalem 1946 der größte Terroranschlag für Jahrzehnte war - dieses irreführende Bild hat Dieter Reinisch jüngst in seinem Artikel "Der ‚Höhepunkt‘ einer Terrorwelle" (17. Juli) gezeichnet. Doch man sollte den politisch-historischen Hintergrund der Situation in Palästina ab den 1920ern und bis Ende der 1940er nicht außer Acht lassen. Diverse jüdische Gruppierungen versuchten damals, die in Europa von den Nationalsozialisten verfolgten Juden nach Palästina zu bringen. Auf arabischen Druck, der insbesondere vom Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini, ausging, reduzierten die Briten die Quoten (Einreisezertifikate) für immigrierende Juden dramatisch.

Al-Husseini war die treibende Kraft aller feindseligen Aktionen gegen die Juden, ein politischer Brandstifter par excellence. Er hatte große Sympathien für Adolf Hitler und wurde dennoch aufgrund seiner Position als religiöser Führer der Moslems von den Briten zumindest in den ersten eineinhalb Jahrzehnten respektiert und toleriert. Er proklamierte den Kampf zur Verteidigung des Islams gegen Briten und Juden und erklärte die Vernichtung Letzterer zur heiligen Mission aller Araber. Die Briten nahmen seine Brandreden auch gegen das British Empire schweigend hin.

Theodor Herzls Idee vom eigenen jüdischen Staat bekam durch Hitlers Machtergreifung starken Auftrieb. Die deutschen Juden waren im Gegensatz zu den osteuropäischen weitgehend assimiliert; sie fühlten sich mehr als Deutsche denn als Juden und standen dem Zionismus erst eher indifferent bis ablehnend gegenüber. Es waren vielfach Akademiker - Mediziner, Juristen, Wissenschafter, Künstler -, die sich zu spät zum rettenden Zionismus bekannten.

Als Protest gegen die jüdische Einwanderung rief der Mufti zum Generalstreik auf. Die Aktivisten der Haganah und anderer jüdischer Selbstverteidigungsgruppen in Palästina befürchteten eine Wiederholung der Pogrome des Jahres 1929 in Hebron. Damals waren friedliche orthodoxe jüdische Familien abgeschlachtet worden, auch in anderen Städten hatten gewalttätige Ausschreitungen viele jüdische Opfer gefordert.

Al-Husseini hatte in Hitler einen mächtigen Verbündeten. Judenhass und Feindschaft gegen die britische Mandatsherrschaft waren bei den Arabern stark verbreitet. Etwa 500 gemäßigte Araber, die Al-Husseinis Hetzpropaganda ablehnten, starben durch dessen Meuchelmörder. Ohne den arabischen Druck........

© Wiener Zeitung


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