Wie das Mikrobiom den Körper gesund hält

„Hör auf, dein Gemüse falsch zu essen!“. „Was ich mit 16 für maximale Gesundheit esse“. „30 Tage Superhuman Diet“. Glaubt man selbsternannten Expert:innen auf Social Media, ist die Welt der Ernährung voller Zauberformeln. Schnell findet sich dabei ein Schlagwort, das als Basis für einen gesunden, ausgeglichenen Körper gilt: das Mikrobiom.

Ein gesundes Darm-Mikrobiom sei die wahre Ursache von Wohlbefinden, betonen zahlreiche Influencer:innen und halten User-wirksam als Wundermittel bestimmte Pillen und Pulver in die Kamera. Wer es natürlich wolle, könne zusätzlich Flohsamen zum Joghurt mischen, jeden Tag in der Früh Wasser mit Salz und Zitrone trinken, oder das Müsli mit Kefir zubereiten, heißt es – die Botschaft ist: Es geht ganz leicht!

Unser Wohlbefinden liegt also in kleinen, täglichen Gesundheits-Hacks? Ist da was dran? Die WZ sprach mit Wissenschaftler:innen, um Klarheit in einer Welt zu finden, die von Pseudowahrheiten nur so zu strotzen scheint.

Im menschlichen Körper leben Trillionen von Bakterien, Pilzen, Keimen, Viren und Bazillen, die zusammengenommen Mikrobiom genannt werden und bis zu zwei Kilo wiegen können. Die meisten dieser Mikroben gedeihen im Darm, andere aber auch auf der Haut, in den Schleimhäuten, in den Organen oder im Gehirn. Diese Mikrobiota wirken sich auf unsere inneren Prozesse aus. Zwar sind sie kein Teil des Körpers, aber sie sind für ihn unentbehrlich, denn ohne sie würde er nicht funktionieren. Wir leben in Symbiose mit der Gesamtheit der Mikroorganismen, die uns bewohnen.

Eine Frau, die ihr Berufsleben dem Mikrobiom widmet, ist Maria Resigno. Die wissenschaftliche Direktorin des Forschungszentrums für Molekularmedizin (CeMM) in Wien räumt mit den Mythen auf: Ein paar simple Kniffe könnten uns nicht im Handumdrehen ein gesundes Mikrobiom spendieren. „Es lässt sich zwar sehr sicher sagen, dass der Mensch gesund ist, wenn das Mikrobiom gesund ist. Aber es gibt keine Zauberformel, um alle Mikrobiota in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen“, sagt die Expertin für Darmgesundheit zur WZ: „Man wird nicht gesünder, indem man täglich eine bestimmte Sache isst oder eine Tablette schluckt.“

Die Pionierin auf dem Gebiet der Erforschung der Wechselwirkungen zwischen uns Menschen und unseren bakteriellen Gästen öffnet das Tor zu dem Mikrokosmos, der in uns werkt. Die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Körper hat 100 Mal so viele Gene wie wir Menschen selbst. Ohne Mikroben im Darm müssten wir um 30 Prozent mehr essen, um dieselbe Menge an Energie zur Verfügung zu haben. Es gäbe dann keine optimale Verdauung, weil........

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