Hinter dieser NGO versteckt sich eine Endzeitbewegung
HWPL ist personell und strukturell eng mit der südkoreanischen Endzeitbewegung Shincheonji und deren Gründer Lee Man-hee verbunden.
Behörden und Experten wie Ulrike Schiesser und Johannes Sinabell warnen vor mangelnder Transparenz und starkem Missionierungsdruck.
HWPL und Shincheonji agieren in Österreich und Deutschland mit parallelen Strukturen und nutzen Vorfeldorganisationen für Imagearbeit
HWPL und Shincheonji teilen denselben Gründer: Lee Man-hee (geb. 1931).
2021 wurde Lee Man-hee wegen Verleumdung und Veruntreuung verurteilt.
HWPL Österreichs Obmann und Kassier sind laut Fotos mit Shincheonji verbunden.
HWPL Deutschland ist in Frankfurt gemeldet, dort liegt auch Shincheonji-Zentrale.
HWPL ist personell und strukturell eng mit der südkoreanischen Endzeitbewegung Shincheonji und deren Gründer Lee Man-hee verbunden.
Behörden und Experten wie Ulrike Schiesser und Johannes Sinabell warnen vor mangelnder Transparenz und starkem Missionierungsdruck.
HWPL und Shincheonji agieren in Österreich und Deutschland mit parallelen Strukturen und nutzen Vorfeldorganisationen für Imagearbeit
HWPL und Shincheonji teilen denselben Gründer: Lee Man-hee (geb. 1931).
2021 wurde Lee Man-hee wegen Verleumdung und Veruntreuung verurteilt.
HWPL Österreichs Obmann und Kassier sind laut Fotos mit Shincheonji verbunden.
HWPL Deutschland ist in Frankfurt gemeldet, dort liegt auch Shincheonji-Zentrale.
Es ist ein kalter Freitag Ende November des vergangenen Jahres. Auf der Mariahilfer Straße trotzt eine Gruppe von 15 Freiwilligen den Witterungen und sammelt mehrere Säcke Müll. Sie tragen blaue Handschuhe und eine farblich dazu passende Warnweste.
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Auf dem Rücken prangt die Aufschrift „HWPL“. Es ist die Abkürzung für den Verein „Heavenly Culture, World Peace, Restoration of Light“ – Frieden für Österreich. Knapp drei Wochen später werden seine Mitglieder noch einmal auf der Mariahilfer Straße aufräumen.
Laut eigenen Angaben ist HWPL eine Friedensorganisation, die sich für interreligiösen Dialog und die Beendigung von Kriegen einsetzt. Doch die Organisation ist personell eng mit der südkoreanischen Bewegung Shincheonji verbunden. Die Bundesstelle für Sektenfragen warnt im Gespräch mit der WZ vor Shincheonji – unter anderem wegen des „starken Missionierungsdrucks“.
Interne Dokumente, die der WZ zugespielt wurden, belegen die Verbindung zwischen HWPL und Shincheonji – Fotos zeigen die beiden Vorstehenden von HWPL Österreich beim Missionieren.
HWPL und Shincheonji teilen denselben Gründer
Gründer und internationaler Vorstand von HWPL ist der Südkoreaner Lee Man-hee. Der mittlerweile 94-Jährige gründete 1984 auch Shincheonji, eine Offenbarungsreligion, die ihre Anhänger:innen auf das ewige Leben nach der Apokalypse vorbereitet.
Man-hee ist im Glauben der Gruppe unsterblich und wurde 2020 in Südkorea wegen Mordes angeklagt. Der Vorwurf: Shincheonji sei wesentlich für den Ausbruch des Coronavirus verantwortlich gewesen. 2021 wurde er in diesem Punkt freigesprochen, aber wegen der Veruntreuung von Geldern verurteilt.
Immer wieder berichteten Shincheonji-Aussteiger:innen von massivem psychischem Druck, strenger interner Kontrolle und Abbrüchen von Beziehungen außerhalb der Gemeinde. In solchen Situationen werden häufig Vorfeldorganisationen eingesetzt, wie Ulrike Schiesser, Geschäftsführerin der Bundesstelle für Sektenfragen, im WZ-Interview erklärt: „Solche Unterorganisationen werden besonders dann relevant, wenn es über die Mutterorganisation bereits kritische Berichte oder negative Presse gibt. Über sie kann gezielt Imagearbeit betrieben werden.“
Auch Johannes Sinabell, Experte für Weltanschauungsfragen der Erzdiözese Wien, kritisiert gegenüber der WZ die mangelnde Transparenz der Bewegung: „Es fällt schwer, bei einer Einladung zu einer Friedensveranstaltung oder einer Reinigungsaktion zu erkennen, dass eine missionarische religiöse Gemeinschaft dahintersteht.“
Shincheonji-Mitglieder bei HWPL
Abgesehen vom gemeinsamen Gründer verdichten sich auch hierzulande die Verbindungen von Shincheonji zum Verein HWPL Österreich – und zwar durch den im Vereinsregister gemeldeten Obmann von HWPL. Fotos, die der WZ zugespielt wurden, zeigen ihn beim Missionieren in Wien sowie bei den online stattfindenden Bibelkursen. Ein ehemaliges Shincheonji-Mitglied bestätigte der WZ seine Teilnahme an der Gruppe.
Auch der von HWPL gemeldete Vereinskassier konnte vom ehemaligen Shincheonji-Mitglied durch weitere Fotos identifiziert werden. Er ist ebenfalls Gemeinderatsmitglied der ÖVP Maria Lanzendorf, einer 2.000-Seelen-Gemeinde in Niederösterreich. 2023 legte er sein Mandat auf eigenen Wunsch zurück. Beide Personen standen der WZ bislang nicht für ein Gespräch bereit.
Offiziell hieß es vonseiten HWPL Österreich der WZ gegenüber, der Verein sei eine nicht-religiöse Organisation, welche als „vollkommen autonome österreichische Rechtspersönlichkeit gemäß dem österreichischen Vereinsgesetz agiert“. Weiters dokumentiere HWPL weder „die religiöse Zugehörigkeit noch die Weltanschauung oder den ethischen Hintergrund von Teilnehmern“. Es erfolge jedoch kein „Ausschluss oder Bevorzugung auf der Grundlage persönlicher Überzeugungen“, so HWPL Österreich. Werbung oder Rekrutierung für eine Religionsgemeinschaft finde nicht statt.
Zu den dokumentierten Aktivitäten einzelner Funktionäre im Umfeld von Shincheonji äußert sich der Verein nicht. HWPL verweist auf die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und sagt: „Die privaten religiösen Zugehörigkeiten von Einzelpersonen fallen in deren geschützte Privatsphäre und sind rechtlich von ihren organisatorischen Rollen getrennt.“
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HWPL: Deutsche Jugendgruppe an Grazer Schule
HWPL agiert auch als eigenständiger Verein in Deutschland. So war dessen Jugendgruppe – die International Peace Youth Group (IPYG) – letzten Sommer bei einem Forum an einer Grazer Schule anwesend. Im Zuge der National Selection Conference 2025 hielt IPYG einen Workshop zum Thema Frieden. Fotos zeigen auch den Vorstand von HWPL Österreich bei der Veranstaltung.
Der Veranstalter des Forums, das Europäische Jugendparlament (EYP) Österreich, sagt im Gespräch mit der WZ: „In der Vergangenheit kam es im Rahmen einzelner Veranstaltungen zu punktuellen Berührungspunkten mit IPYG. Zum Zeitpunkt der Zusammenarbeit lagen uns keinerlei Hinweise auf mögliche Verbindungen der Organisation zu einer südkoreanischen Sekte vor“, so EYP-Vorstand Nico Janis.
Ausschlaggebend für die Einladung war laut Janis der Sonderberatungsstatus beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC), welchen der in Südkorea gemeldete Verein HWPL seit 2017 innehat. Ein Status, den der in Frankfurt gemeldete Verein HWPL Deutschland ebenfalls auf seiner Webseite anführt.
Auf Nachfrage der WZ heißt es aus Frankfurt, dass HWPL Deutschland als eigenständiger Verein agiert und man sich dessen bewusst ist, dass der Verein über keinen UN-Beraterstatus verfüge. Weiters sagt der Verein: „Wir nehmen Ihre Anmerkung bezüglich möglicher Missverständnisse ernst und räumen der Transparenz eine hohe Priorität ein. Dementsprechend haben wir damit begonnen, die relevanten Abschnitte unserer Website zu überprüfen und zu präzisieren.“
Janis ergänzt: „Sollten sich die nun veröffentlichten Vorwürfe bestätigen, distanzieren wir uns ausdrücklich von entsprechenden Strukturen. Transparenz und die Wahrung unserer Werte haben für uns oberste Priorität.“
Parallele Strukturen der Vereine
Zwischen Shincheonji und dem sowohl in Österreich als auch in Deutschland gemeldeten Verein HWPL zeigen sich strukturelle Parallelen. Nach dem Vereinsregister ist HWPL Deutschland in Frankfurt gemeldet. Dort liegt laut eigener Angabe auch die Zentrale von Shincheonji.
Auch die Aktivitäten von Shincheonji in Österreich sind laut WZ-Informationen der Zentrale in Frankfurt unterstellt. Sie gehört demnach zu einer von zwölf Stämmen („Tribes“). Persönliche Informationen über Mitglieder sollen innerhalb dieser Hierarchie zunächst an einen „Tribeleiter“ übermittelt und von dort an die Hauptzentrale in Südkorea weitergeleitet werden, wie ein Aussteiger der WZ berichtete.
Die WZ hat versucht, mit Shincheonji in Frankfurt Kontakt aufzunehmen. Die Anfrage blieb jedoch erfolglos. Auch die UN antwortete der WZ nicht bezüglich der Frage, wie es zur Akkreditierung kam und ob die NGO inhaltlich geprüft wurde.
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Gesprächspartner:innen
Büro Bezirksvorstehung Neubau, 7. Bezirk, Wien
HWPL Österreich und Deutschland
Johannes Sinabell, Experte für Weltanschauungsfragen der Erzdiözese Wien
Nico Janis, Vorstand des Europäischen Jugendparlaments (EYP) Österreich
Ulrike Schiesser, Geschäftsführerin der Bundesstelle für Sektenfragen
Shincheonji wurde 1984 von Lee Man-hee in Südkorea gegründet. Der volle Name lautet: „Shincheonji Church of Jesus, the Temple of the Tabernacle of the Testimony“. Die neureligiöse Bewegung versteht sich als christliche Endzeitbewegung und legt die biblische Offenbarung (Apokalypse) symbolisch aus, wobei Man-hee als der von Gott berufene Ausleger gilt. Die Gruppe ist international aktiv, steht jedoch in vielen Ländern wegen ihrer missionarischen Methoden und internen Strukturen in der Kritik. Aussteigerberichte schildern massiven psychischen Druck, strenge interne Kontrolle, Abbruch von Beruf, Studium und sozialen Beziehungen. Shincheonji selbst weist diese Vorwürfe wiederholt zurück. Die Organisation gibt international ca. 200.000 Angehörige um 2020 an. Die Zahl ist schwer zu überprüfen.
HWPL (Heavenly Culture, World Peace, Restoration of Light) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die 2013 in Südkorea von Lee Man-hee gegründet wurde. Sie setzt sich nach eigenen Angaben für Weltfrieden, interreligiösen Dialog und die Beendigung von Kriegen ein. Von Kritiker:innen, Aussteiger:innen und Weltanschauungsbeauftragten wird HWPL als Tarnorganisation von Shincheonji eingestuft.
In Österreich ist HWPL unter folgendem Namen im Vereinsregister registriert: „Heavenly Culture, World Peace, Restoration of Light - Frieden für Österreich“. Der Auszug gibt wieder, was der Verein selbst der Behörde gemeldet hat und was in den Vereinsstatuten steht.
Zu HWPL gehören auch die International Peace Youth Group (IPYG), die International Women’s Peace Group (IWPG) sowie die interreligiöse Plattform WARP (World Alliance of Religions’ Peace). Diese Gruppen fungieren als Jugend-, Frauen- und Religionsnetzwerke innerhalb der HWPL-Struktur und sind organisatorisch und personell eng mit HWPL verbunden.
Die Bundesstelle für Sektenfragen bietet sachliche Informationen und individuelle Beratung zum Themenbereich „sogenannte Sekten“ und Weltanschauungsfragen. Dazu gehören unter anderem alternative religiöse Bewegungen, Esoterik, spezifische Angebote zur Lebenshilfe, fundamentalistische Strömungen, Verschwörungstheorien, sozial-utopische Aussteigergruppen und Pyramiden- beziehungsweise Schneeballsysteme. Bundesstelle für Sektenfragen Telefon: + 43-(0)1-513 04 60, bundesstelle@sektenfragen.at
Die UN-Resolution 1996/31 schreibt die Überprüfung des ECOSOC Sonderberatungsstatus vor. Sie enthält jedoch Lücken bei der Überprüfung der NGOs. Das Regelwerk verlässt sich primär auf formale Dokumente und die Resolution enthält keine Bestimmung, die das UN-Sekretariat oder das NGO-Komitee zur unabhängigen Überprüfung einer Organisation verpflichtet.
Der Bezirk Neubau sagte gegenüber der WZ, dass ihm die Aufräumaktionen auf der Mariahilfer Straße nicht bekannt waren.
Bundesstelle für Sektenfragen: Tätigkeitsbericht 2024
HWPL Österreich, Südkorea und Deutschland mit IPYG
UN-ECOSOC Status und Resolution
Fotos, Screenshots, Chatverläufe
Vereinsregister Deutschland und Österreich
European Youth Parliament Austria
Webseite Volkspartei Maria Lanzendorf
GSK, Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren
Trotz Warnungen: Scientology-Verein an Österreichs Schulen
Sekten: Peters Weg in die Abhängigkeit
In der Sekte: Der unsichtbare Weg in die Abhängigkeit
Sekten: Wie Rosa den Ausstieg schaffte
Das Thema in anderen Medien
BR Podcast: Seelenfänger
Hessenschau: Peace City 069: Welche Verbindung hat diese Initiative zu einer umstrittenen Sekte?
Religion ORF.at: Experte warnt vor Kampagne von Shincheonji
Der Standard: Im Bibelkurs einer Sekte: Zwei Aussteigerinnen warnen vor Shincheonji in Wien
