Über dirnenhafte Männer und ihre Freiheiten

Wenn man nicht weiß, was man sagen soll, dann redet man übers Wetter.

Das stimmt vielleicht auch für Kolumnen, denn ich wusste diese Woche tatsächlich nicht, worüber ich schreiben soll. Einerseits sind hundert Dinge passiert, zu denen ich gerne meinen feministischen Senf geben würde, andererseits machen mich die meisten dieser Dinge so müde, dass ich mich am liebsten ins Bett legen würde, wahlweise weinend oder schlafend oder beides in chronologischer Abfolge, statt Kolumnen zu schreiben.

Es ist halt das passiert, was immer passiert: Männer haben Frauen getötet. Männer haben Frauen vergewaltigt. Frauen wurden gefragt, warum sie über Vergewaltigungen reden und ob sie nicht eigentlich nur Geld und Ruhm wollen würden, denn wenn Vergewaltigungsopfer etwas verlässlich bekommen, sind es nicht Traumata und gesellschaftliche Ächtung sondern Geld und Ruhm. (Auf Social Media würde man diesen Satz mit /s markieren) Prostitution wurde glorifiziert und als feministisch verkauft. Frauen wurden geshitstormed auf Social Media. (Auch das wurde als feministisch verkauft). Eine Studie in Deutschland zeigte, dass jede fünfte Frau schon als Minderjährige Opfer von sexueller und sexualisierter Gewalt wird. Eine großangelegte Studie in Australien hatte zum Ergebnis, dass jeder dritte Mann in Partnerschaftenn gewalttätig ist. Über all das könnte man Kolumnen schreiben, wenn man noch die Energie dazu hätte, das immergleiche patriarchale Elend immer wieder zu kommentieren.

Diese Energie habe ich dieswöchentlich nicht, ich bitte um Verzeihung.

Deshalb etwas Erfreuliches: Wetter. Und liederliche Männerkörper. Es ist nämlich wieder warm. Der Sommer hat lange auf sich warten lassen, aber ist nun endgültig ins Land gezogen und mit ihm hitzegerechte Outfits.

Und ja, liebe Leser:innen, hier ist er, der feministische Konnex, er lässt natürlich auch bei Small Talk übers Wetter nie lange auf sich warten,........

© Wiener Zeitung