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Ein Tod für die Schlagzeilen

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13.04.2021

Tageszeitungen. Lottoscheine. Briefkuverts. Zigaretten: In einer bizarren Volte des Schicksals wurde meine Cousine vor einigen Wochen in ihrem Ladenlokal, einer Trafik, zusammen mit leicht brennbarem Material in Brand gesteckt. Weder die Lottoscheine haben überlebt noch meine Cousine. Ich schreibe Cousine, weil Nadine W. genau das war: meine Cousine. Für viele von Ihnen war sie aber jemand anderer: eine Schwester. Eine Tochter. Eine Freundin. Eine (bis dato) Unbekannte. Oder das freundliche Gesicht in der Trafik am Wiener Alsergrund, an der Kreuzung Währinger Straße/Nussdorfer Straße, gleich neben dem Hofer.

Der war es übrigens, der ihr - zumindest vorläufig - das Leben gerettet hat: Hätten nicht mutige Unbekannte die Ladentür mit einem Hofer-Einkaufswagen eingeschlagen und ihr damit einen Fluchtweg ermöglicht, meine Cousine wäre bei lebendigem Leib verbrannt. So aber schaffte sie es bis auf die Straße und - durch einen weiteren glücklichen Zufall - bis ins Rettungsauto der Samariter hinein. Noch halb von Sinnen befragt von Polizisten, galten ihre letzten Worte dem Ex-Freund: jenem Mann, der ihr das alles angetan hat.

Nichts liegt mir ferner, als meine Cousine als Opfer zu betrachten. Bis zuletzt hat sie um ihr Leben gekämpft: Ein Leben, das sie sich ohne fremde Hilfe ganz allein aufgebaut hatte. Ein Leben, in dem sie........

© Wiener Zeitung


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