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Abschied von sich selbst

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13.09.2021

Mag ein ewig junger Lyriker wie Jan Wagner auch frohgemut davon sprechen, Gedichte würden ewig jung halten, so stimmt das natürlich nicht. Und es wäre in gewisser Weise auch schade, denn dann entginge uns ein Lyrikgenre, das zu den produktivsten der Literaturgeschichte gehört: die Alterslyrik.

Gottfried Benn hat einst in einer Rede mit dem Titel "Altern als Problem für Künstler" die verschiedenen Assoziationen aufgeführt, die sich mit Alterswerken verbinden: Sie zeugten von Milde, Heiterkeit, Nachsicht, sie seien schwebend, schwerelos, schonungslos. Ob das Alter stets "der Durchstoß zu einer neuen Ausdrucksebene ist", wie Hermann Broch das formulierte, sei dahingestellt. Aber wie vielfältig sich Lyrik dem Thema des Altwerdens widmet, lässt sich anhand einer interessanten Anthologie studieren: "Zurücktreten aus der Erscheinung. Gedichte über das Alter" (hg. von Helmut Bachmaier, Wallstein, 2021).

Sie versammelt Gedichte von Sappho bis Mayröcker, von Archilochos bis Durs Grünbein, dem Alterslob ist ebenso ein Kapitel gewidmet wie der Altersklage und dem Altersnarzissmus; wir erfahren,........

© Wiener Zeitung


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