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Über Authentizität

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14.10.2021

Derzeit läuft in den Kinos der Film "Marko Feingold – Ein jüdisches Leben". Der langjährige Präsident der jüdischen Gemeinde in Salzburg ist zwar inzwischen bereits verstorben, im Alter von 105 Jahren ließ er für diesen Film aber noch einmal seine Erinnerungen an Kindheit und Jugend, die Verfolgung im Nationalsozialismus und die Nachkriegszeit revue passieren. Auf der großen Kinoleinwand in dieses Gesicht, in dem das lange Leben seine Spuren hinterlassen hat, zu schauen und zuzuhören, was Feingold schildert, lässt einen – obwohl ja das meiste nicht neu ist – doch schaudern. Das so direkt Erzählte hat doch eine andere Wirkung als Ähnliches zu lesen.

Noch greifbarer werden Schilderungen von Zeitzeugen und –zeuginnen, wenn man mit ihnen sprechen, mit ihnen in Dialog treten kann. Doch das ist immer seltener möglich: nach und nach treten "Die letzten Zeugen", wie Doron Rabinovici treffenderweise sein Bühnenprojekt mit Zeitzeugen und –zeuginnen für das Burgtheater nannte, ab. Bald wird niemand mehr persönlich Zeugnis ablegen können, was in der NS-Zeit passierte. Man wird also in Büchern nachlesen, wobei hier die Palette sehr groß ist und von wissenschaftlicher Fachliteratur über Populärwissenschaftliches bis zu (Auto)Biographien, aber auch Belletristik reicht, sich auf Video oder als Audioaufnahme gespeicherte Zeitzeugenerinnerungen ansehen oder –hören, sich in Museen Objekte aus der Zeit, in Archiven Dokumente und Fotomaterial ansehen. Oder aber man geht an Orte, an denen das, was man da heute nachzuspüren versucht, einst passierte.

Zu diesen Orten gehören die Konzentrationslager von damals, die heute Gedenkstätten sind. In der wohl........

© Wiener Zeitung


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